Die ‹Marszałkowksa-Ostwand› 1986 im ursprünglichen Zustand. Fotos: Werner Huber

Hoffnung für Warschauer ‹Ostwand›

Die ‹Marszałkowska-Ostwand› war ein hervorragendes Ensemble der 1960er-Jahre. Umbauten und Sanierungen haben die ursprünglichen Qualitäten jedoch stark beeinträchtigt. Nun gibt es Hoffnung auf Besserung.

Die Bebauung der Ostseite der Marszałkowska-Strasse in Warschau gehört zu den besten städtebaulich-architektonischen Ensembles der 1960er-Jahre – nicht nur in Warschau, sondern europaweit. In der polnischen Architekturgeschichte bildete der Wettbewerb von 1958 einen Wendepunkt. In der ersten grossen Konkurrenz nach der Phase des sozialistischen Realismus mussten die Architekten nicht mehr monumentale Fassaden liefern, sondern sie konnten eine mehrschichtig gestaffelte und gegliederte Anlage gestalten. Die ‹Marszałkowska-Ostwand› ist ein Filetstück in der Warschauer Innenstadt, liegt sie doch direkt gegenüber dem monumentalen Kulturpalast. Dem entsprechend gestaltete das Team um Architekt Zbigniew Karpiński das Ensemble. Drei gläserne Warenhauskuben, ein fensterloses Kaufhaus und ein gläserner Bankzylinder nehmen entlang der Strasse den Massstab des grossflächigen Plac Defilad vor dem Kulturpalast auf. Drei Wohnhochhäuser und eine Bürohausscheibe im rückwärtigen Teil des Areals spannen mit dem Palast selbst einen Raum auf. Zwischen die Warenhäuser und die Wohnhäuser legte Karpiński die Fussgängerpassage Pasaż Śródmiejski (Innenstadtpassage). Kleine Plätze erweiterten sie mit Aufenthaltsräumen, Vordächer schützten vor der Witterung und gaben zusammen mit den Pflanztrögen dem Stadtraum einen menschlichen Massstab. ###Media_2### Niedergang und zweifelhafte Sanierungen Die tiefe politische und wirtschaftliche Krise ab den späten 1970er-Jahren verschonte auch die Marszałkowska-Ostwand nicht. Die Läden wurden immer leerer, der Unterhalt liess nach, Bauten und Stadträume verlotterten. Doch da Armut bekanntlich der beste Denkmalpfleger ist, blieb die Anlage bis gegen Ende der 1990er-Jahre weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten – mit der Zeit überlagert von den Werbebannern und anderen Segnungen des Kommerzes. Um das Jahr 2000 wurden die Warenhausku...
Hoffnung für Warschauer ‹Ostwand›

Die ‹Marszałkowska-Ostwand› war ein hervorragendes Ensemble der 1960er-Jahre. Umbauten und Sanierungen haben die ursprünglichen Qualitäten jedoch stark beeinträchtigt. Nun gibt es Hoffnung auf Besserung.

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