Kästchendenken: Wer zu viele Fenster aufgemacht hat, klickt auf «Restart» und der Bildschirm erstrahlt wieder in ruhigem Weiss. Fotos: herzogdemeuron.com

HdM vernetzt

Herzog & de Meuron wagt sich nach jahrelanger Webabstinenz in die Tiefen des Cyberspace: Eine schlichte, weisse Seite informiert breit über Büro und Projekte.

Heutzutage hat jeder eine Webseite, wer auffallen will, hat also keine. Diesem Motto blieb Herzog & de Meuron jahrelang treu. Nun hat sich das Basler Architekturbüro doch in die Tiefen des Cyberspace gewagt: Seit Kurzem strahlt ihre Homepage in schlichtem, unschuldigem Weiss und tut damit so, als hätte es sie schon immer gegeben. Reduziert bleibt auch die Sprachbreite: Die Seite redet weltmännisch nur Englisch. Drei Menüpunkte führen durch die flache Hierarchie. Unter «Projects» können sämtliche Arbeiten aus den letzten 30 Jahren durchforstet werden. Die Bilder knausern mit Pixeln, dafür überzeugen die Texte zu jedem Projekt mit gut leserlichen Lettern. Der Reiter «Practice» stellt das Büro, seine Partner sowie Publikationen vor und listet die 349 Mitarbeiter aus 39 Ländern auf. Unter «News» schliesslich verstecken sich die offenen Stellen, nach Neuigkeiten oder gar Facebook und Twitter Symbol sucht man hier vergebens. Der Schritt ins Web 2.0 war HdeM dann doch eine Spur zu profan. Einen Twitter-Kanal hat heute ja jeder.

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Kommentare

Urs Honegger 01.09.2011 09:48
Endlich können wir beurteilen, wie HdM Webdesign macht: nicht sonderlich mutig, würde ich sagen. Alles ist sauber, alles funktioniert. Doch das Selbstvertrauen, das ihre Architektur ausdrückt, fehlt dem Webdesign komplett. Das «ruhige Weiss» behält mir jede Art visueller Identität vor. Auch Suchmaschinen finden auf der Homepage gar nichts. Aber Suchmaschinen sind wohl für die anderen. Mein Verdacht: Herzog und de Meuron brauchten eine Projektdatenbank. Dass diese im Internet stattfindet, hat nur damit zu tun, dass sie so für die weitreisenden Herren von überall her zugänglich ist.
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