Neben dem Turm erscheinen die Häuser von Vals wie Miniaturen. Fotos: zVg

Hauptsache hoch

Remo Stoffel plant in den höchsten Höhen: Der grösste Turm Europas für die Reichsten der Welt. Doch die Rechnung mit den Superlativen wird für Vals nicht aufgehen. Ein Kommentar.

Das «liebe schöne Vals», wie Pius Truffer das Dorf nennt, soll sich verändern und zum «Little Dubai» der Berge werden. Der Mut, ja der unbedingte Wille von Remo Stoffel zum touristischen Höhenflug ist beeindruckend. Doch die megalomanischen Pläne, die er heute vorgestellt hat, überzeugen nicht. Ökonomisch steht das Projekt auf wackeligen Füssen. Vals hat neben der weltbekannten Therme ein kleines Skigebiet und ein hübsches Dorf zu bieten. Doch das dürfte den weitgereisten Superreichen nicht genügen. Sie sind sich Angebote gewöhnt, wie sie in St. Moritz, Gstaad oder bald in Andermatt zu finden sind. Stoffel hat zwar angeblich Geld wie Heu, doch auch er wird irgendwann schwarze Zahlen sehen wollen. Die Luxushotels in den Bergen aber kämpfen: Das Intercontinental in Davos zum Beispiel, auch bekannt als «Goldenes Ei», schliesst in der Zwischensaison seine Pforten. Städtebaulich ist das Projekt fragwürdig. Auf der Visualisierung verschwindet der Turm zwar fast in den Wolken. Doch in der Realität wird er das Tal dominieren wie kein anderes Gebäude. Ein Symbol für die Macht des Geldadels, der sich jeden Luxus in jeder Höhe leisten kann. Der schmale Turm spart zwar Boden, verbaut aber das, wofür alle angereist sind: Den ungehinderten Blick auf die Berge. Den hat man nun nur noch in Stoffels Suiten. Dabei kann man sich grundsätzlich fragen, was ein Turm in den Bergen für die Aussicht bringt. Im 80. Stock sieht man nicht weiter als im 10., ganz im Unterschied zu Manhattan, wo die Nadeltürme für Grossverdiener in den letzten Jahren zuhauf aus dem Boden geschossen sind.Architektonisch schliesslich ist das Projekt eine radikale Abkehr von Peter Zumthors Meisterwerk, mit dem das kleine Dorf erst weltbekannt wurde. Der Schweizer Architekt arbeitet mit lokalem Quarzit, spinnt die konstruktive Tradition weiter und bettet seine Therme in die Landschaft ein. Anders sein Kollege...
Hauptsache hoch

Remo Stoffel plant in den höchsten Höhen: Der grösste Turm Europas für die Reichsten der Welt. Doch die Rechnung mit den Superlativen wird für Vals nicht aufgehen. Ein Kommentar.

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