Nicht nur Architektur-, sondern auch Weinkenner: Daniel Pokora, Stefan Kurath und Daniel Walser bei Verkostung nach der Filmvorführung.

Grosse Architektur im Hintergrund

Wein und Weingut im Film - Zeichenhaftigkeit in der Diskussion. An der HTW Chur diskutierten Architekten über den Film «Pomerol, Herzog & de Meuron».

«Living architecture» heisst die Serie von Ila Bêka und Louise Lemoine. 2007 widmeten die Filmemacher ein Portrait einer Villa in Bordeaux von Rem Koolhaas. Ihren neusten Dokumentarfilm, «Pomerol, Herzog & de Meuron», widmeten sie dem Weingut von Christian Moueix in Pomerol, entworfen von Herzog & de Meuron. Im Film sieht man Frauen Trauben von den Stauden schneiden, Menschen im Speisesaal singen und vor dem Haus Boccia spielen. Die von den Stararchitekten gestaltete Kulisse bleibt im Hintergrund. Besucher und Arbeiter kommen wegen des Rotweins.

Nach der Filmvorführung in der Aula der HTW Chur diskutierten die Architekten Daniel Pokora, Stefan Kurath und Daniel Walser über die Zeichenhaftigkeit der Architektur. Moderator und HTW-Dozent Walser fragte, ob denn Architektur überhaupt so beiläufig gezeigt werden dürfe? «Sie muss sogar», antwortete Stefan Kurath, «denn ein gutes Gebäude bleibt im Hintergrund und stellt die Menschen in den Vordergrund.» Die Zeichenhaftigkeit von Architektur dürfe nicht Selbstzweck sein. Der Film unterstreiche die Wichtigkeit eines starken Konzeptes, welches offen genug ist, die Einzelwünsche aufzunehmen, so Kurath. Daniel Pokora hat das Projekt als ehemaliger Mitarbeiter im Büro von Herzog & de Meuron aus der Nähe mitverfolgt: «Das Interesse von Jacques Herzog und Pierre de Meuron war im Vergleich zur Grösse und Komplexität des Baus übergross», erinnert er sich. Weil in der Planungsphase zwischen 2001 und 2003 einige Grossprojekte bereits fertig gebaut oder nicht realisiert wurden, konnten sie viel Zeit und Herzblut investieren, so sei ein «intimes Projekt» entstanden, so der Architekt.

Die rund 40, vornehmlich jungen Besucher der Veranstaltung konnten den aussergewöhnlichen Wein aus dem aussergewöhnlichen Weingut beim anschliessenden Apéro gleich selbst prüfen und in Relation zur Architektur stellen.

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