Glühende Laudatio

«Der mit dem Feuer spielt» ist eine etwas metaphorische Umschreibung der Atmosphäre in der Werkstatt vom Schmied Gian Stoffel, den die Stiftung Bündner Kunsthandwerk dieses Jahr ehrt. Das Zentrum seines Wirkens ist von Feuer und Hitze bestimmt. Überall glüht es. Sogar in den Augen des Schmieds selber. Lesen Sie die Laudatio.

Gian Stoffel ist Schmied in Sils im Domleschg. Die Stiftung Bündner Kunsthandwerk hat ihn mit dem Preis 2013 ausgezeichnet. Stoffel schmiedet Tore und andere Bauteile, Stoffel schmiedet Messer und geht bis zum kleinen Masstab: er schmiedet auch Ringe. Gion A. Caminada, Stiftungsrat und Architekt, hielt an der Preisfeier in der Klibühni in Chur eine berührende Preisrede und stellte den Schmied als Könner des Handwerks vor, der eben mehr ist als «Metallbauer in Richtung Wärmeverformung » wie die Schmiede heute offiziell heissen. «Der mit dem Feuer spielt» ist eine etwas metaphorische Umschreibung der Atmosphäre in der Werkstatt vom Schmied Gian Stoffel. Das Zentrum seines Wirkens ist von Feuer und Hitze bestimmt. Überall glüht es. Sogar in den Augen des Schmieds selber. In seinen Augen, die das Feuer und das Eisen genau beobachten. Im richtigen Moment zieht er das Material aus der Glut. Nicht zu früh, denn wer das Eisen zu kalt schmiedet, schadet ihm. Nicht zu spät: wer das Eisen verbrennt, macht es untauglich. Und wird das Eisen zu oft erwärmt, so mindert auch das seine Qualität. Der Schmied hat eine eng bemessene Frist um das Eisen zu formen. Die Zeit scheint dabei nicht messbar, sondern vielmehr fühlbar. Sie ist nicht eine mathematische Grösse sondern hat etwas von einer Ur-Dimension, bestimmt von der Materie und vom Werk selber.Die Hiebe donnern auf das Eisen herunter. Sie sitzen. Auf jeden einzelnen kommt es an. Der taktvolle Klang und sein Widerhall lassen den Amboss, den Hammerschlag und das zu bearbeitende Stück eins werden. Der Schmied braucht wenige Handgriffe, um dem Material die gewollte Form zu geben.   Die Form, als verbindende Kraft der Idee und der individuellen Ausformung. Diese Form entwickelt sich aus dem Nichts, sie verändert sich unentwegt. Die Form - wo war sie eigentlich vorher? Im Kopf, in den Augen, in der Hand, im Material? Nirgends u...
Glühende Laudatio

«Der mit dem Feuer spielt» ist eine etwas metaphorische Umschreibung der Atmosphäre in der Werkstatt vom Schmied Gian Stoffel, den die Stiftung Bündner Kunsthandwerk dieses Jahr ehrt. Das Zentrum seines Wirkens ist von Feuer und Hitze bestimmt. Überall glüht es. Sogar in den Augen des Schmieds selber. Lesen Sie die Laudatio.

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