Identitätsstark oder verbraucht? Das Gründerzeithaus am St.-Johanns-Platz in Basel weicht einem Investorenbau.

Generationenclash

Eine junge Architektin schreibt einen offenen Brief an einen älteren Architekten. Sie wirft ihm vor, für teures Eigentum ein Gründerzeithaus abzureissen. Er antwortet. Eine aufschlussreiche Debatte aus Basel.

«Lieber Luca, der Ofen ist aus!» Die Anrede, die Norma Tollmann wählt, gibt den Ton vor. Ihr offener Brief an Luca Selva erschien am Sonntag auf architekturbasel.ch. Der Ofen gehört zu ‹Da Gianni›, einer beliebten Pizzeria im Erdgeschoss eines kleinen, vielleicht 150 Jahre alten Eckhauses am St. Johanns-Platz. «Darfst du das?» fragt die Architektin ihren Kollegen, den sie nicht persönlich kennt. Sie fragt ihn, warum er für eine Zürcher Immobilienfirma ein altes Haus und drei alte Kastanienbäume fällt für einen Ersatzneubau, der «die Parzelle maximal ausnutzt, um mit der maximal möglichen Bruttogeschossfläche die maximal möglichen finanziellen Gewinne abzuschöpfen». Die Visualisierung der Immobilienfirma zeigt kantige fünf Geschosse und zwei Attikageschosse, darin 14 Eigentumswohnungen, die günstigeren für 1.4 Mio. Franken. Norma Tollmann fragt Luca Selva, ob er als ehemaliger Lehrer der Architekturschule in Muttenz nicht eine Vorbildfunktion innehabe. Eine politische Verantwortung. Sie fragt ihn: «Was macht das Leben aus?», «Was heisst Identität für dich?» und «Was ist dein Beitrag für die Gesellschaft?» Und es ist klar: All dem wird der eine Generation ältere Architekt für sie nicht gerecht. ###Media_2### Die Antwort Gleich am nächsten Tag antwortet der Herausgeforderte. Schildert die Überlegungen von vor fünf Jahren, ob sein Büro die Anfrage annehmen soll. «Wir haben zum Projekt in umfassender Abwägung aller Faktoren ja gesagt und haben es uns nicht leicht gemacht.» Luca Selva betont, das Projekt sei «sorgfältig entwickelt worden» und keine Institution habe den Schutz des Bestandes ausgesprochen. Für ihn seien die entscheidenden Fragen: «Wie entziehen wir die Grundstücke dem Markt und wer entschädigt die Grundeigentümer für den Wertzerfall?» Vor zehn Jahren hat er an der Hegenheimerstrasse den ersten neueren genossenschaftlichen W...
Generationenclash

Eine junge Architektin schreibt einen offenen Brief an einen älteren Architekten. Sie wirft ihm vor, für teures Eigentum ein Gründerzeithaus abzureissen. Er antwortet. Eine aufschlussreiche Debatte aus Basel.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?