In der Ausstellung «If buildings were landscapes...» untersucht der Kurator Daniel Jauslin das Potential der Landschaft im architektonischen Entwurf.

Gebäude als Landschaften

Was, wenn Architekten versuchen, mit Gebäuden Landschaften formen? Dieser Frage ging der Architekt und Landschaftsarchitekt Daniel Jauslin in einer kleinen Ausstellung in der Schweizer Baumuster-Centrale nach.

Was, wenn Architekten versuchen, mit Gebäuden Landschaften formen? Dieser Frage ging der Architekt und Landschaftsarchitekt Daniel Jauslin in seiner Dokotorarbeit an der TU Delft nach. Seine Thesis «Landscape Strategies in Architecture» wurde 2019 publiziert, nun hat Jauslin in der Baumusterzentrale drei Schlüsselprojekte zu einer Ausstellung zusammengestellt.

In der informativen Schau «If buildings were landscapes» untersucht Jauslin anhand des (ungebauten) Entwurfs von OMA für zwei Universitätsbibliotheken in Paris, der (nicht fertig gebauten) Kulturstadt in Santiago de Compostela von Peter Eisenman und des Rolex-Learning-Centre der EPF Lausanne von SANAA wie Themen aus der Landschaftsarchitektur in architektonische Entwürfe einfliessen. Solche begehbaren Landschaften sind ab den 1990er-Jahren zu einem Leitmotiv in der zeitgenössischen Architektur geworden, so Jauslin. Bei dieser Feststellung bleibt die Ausstellung aber nicht stehen. Der Architekt denkt über das landschaftlich-räumliche Erlebnis hinaus und skizziert – und hier wird es interessant – das Potential von ganzheitlich gedachter Architektur im Nachhaltigkeitsdiskurs. Dem Architekten und Landschaftsarchitekten geht es nicht nur um die Wahl von Materialien beim Bauen, sondern auch um eine ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Im Landschaftserlebnis sieht der Kurator viel Potential für die zeitgenössische Architektur, doch Landschaft als Ressource und als Generationenfrage messen Architekten und Architektinnen noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bei, so Jauslin. «Letztlich gibt es meines Erachtens zwei Möglichkeiten: Entweder die Architektur beharrt auf ihrer Autonomie und verschliesst sich vor den gewaltigen Herausforderungen im Natur- und Klimaschutz. Oder sie erfindet sich neu, und dazu wäre eine integrale Betrachtung mit der Umgebung und ein Verständnis der Bauten als Teile einer lebendigen Landschaft denkbar.», glaubt der Architekt.

Jauslin bezeichnet «If buildings were landscapes» als Forschungssaustellung: Sie will nicht nur analysieren, sondern den Besuchern auch die Möglichkeit geben, in die Projekte virtuell einzutauchen und so die Themen weiterzudenken. Dafür hat Jauslin etwa OMAs Entwurf für Paris als digitales Modell nachgebaut in das die Besucher über VR-Brillen eintauchen können. Oder er zeigt einen Vorschlag, wie die leerstehenden Teile Kulturstadt in Santiago de Compostela umgenutzt werden könnten – indem er vorschlägt, darin einen Wald zu pflanzen.


Zur virtuellen Ausstellung geht es hier, zu einem Video in welchem Jauslin durch die Ausstellung führt hier.

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