Verlorenes wiederbelebt und abstrahiert: Das Wohnhaus in Schöftland nimmt ein Schwarz-Weiss-Foto des Restaurants links vor der Entfernung des Fassadenschmucks als Vorbild für ein Relief am Betonkubus. Fotos: Hannes Henz

Fremdelndes Spiegelhaus

Zwilling oder Einzelgänger? Kopiert oder erfunden? Vertraut oder fremd? Das Wohnhaus in Schöftland übernimmt die Volumetrie und die Fassaden seines Nachbarn im Prinzip so direkt wie im Detail willkürlich. So bleibt das graue Betonhaus in der Umgebung seltsam fremd.

Zwilling oder Einzelgänger? Kopiert oder erfunden? Vertraut oder fremd? Das kleine Wohnhaus in Schöftland im Aargau ist alles ein wenig und nichts wirklich. Es steht in zweiter Reihe hinter der Hauptstrasse und ist die erste Ergänzung nach einem Masterplan von Ken Architekten. Schrittweise wollen sie das heute als Baugeschäft genutzte Areal verdichten und umnutzen.Die ortsbauliche Setzung und die Fassade des Hauses beziehen sich auf das 1899 errichtete Restaurant Freihof. Ken Architekten spiegelten die Kubatur von der Strasse in die Tiefe des Areals, machten aus dem Souterrain ein leicht versenktes Vollgeschoss und reduzierten das Schrägdach auf einen Rücksprung an der Traufkante. Die Fenster sind gleich breit und gleich positioniert, aber höher als beim Nachbarn. In der Fläche lebt der Fassadenschmuck wieder auf, der beim Restaurant in den Dreissigerjahren verloren ging. Was dort einst hervorstand, rekonstruierten die Architekten anhand eines Schwarz-Weiss-Fotos als Negativ in der Betonfassade: Wie Sockel, Eckbossen und umlaufende Friese gliedern Vertiefungen das Volumen. Das Relief zeichnet Fensterbänke, Leibungen und Giebel um die Fenster. Der Mittelrisalit des Nachbarn wurde zum flächigen Rücksprung.In den drei identischen Wohnungen ist die zentrale Grundrissorganisation des Restaurants übersetzt in eine punktsymmetrische Disposition mit aussenliegendem Treppenhaus. Wie die Balkone brechen auch diese aus Metallträgern gefertigten Anbauten die Symmetrie. Innen umlaufen vier Räume mit Anhydritboden, lasierter Betondecke und weisser Prägetapete windmühlenartig das schwarze Badezimmer. Es gibt keine Bewegungsflächen, dafür Durchgänge zwischen allen Zimmern. Was für Singles und Paare lange Wege bedeutet, ist für Wohngemeinschaften und Familien eine Herausforderung auf rund hundert Quadratmetern – mit hellhörigen Türen zwischen allen Zimmern und dem einzigen Bad zu...
Fremdelndes Spiegelhaus

Zwilling oder Einzelgänger? Kopiert oder erfunden? Vertraut oder fremd? Das Wohnhaus in Schöftland übernimmt die Volumetrie und die Fassaden seines Nachbarn im Prinzip so direkt wie im Detail willkürlich. So bleibt das graue Betonhaus in der Umgebung seltsam fremd.

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