Die Brasserie des Basler Volkshauses atmet wieder den Geist der Zwanzigerjahre - aber mit einer zeitgemässen Einrichtung. Fotos: Adriano A. Biondo

Fin de Chantier: Volkshaus wachgeküsst

Herzog & de Meuron haben die Bar und Brasserie des Volkshaus Basel umgebaut und die Inneneinrichtung entworfen.

Volkshäuser sind im Aufwind. Nachdem jenes in Zürich vor vier Jahren umgebaut und kürzlich mit einem Spa ergänzt wurde siehe HP 4 / 2012, erwachte im März das Volkshaus Basel beim Claraplatz aus dem Dornröschenschlaf. Herzog & de Meuron haben die Bar und Brasserie der ehemaligen Burgvogtei, deren Ursprünge sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, umgebaut und die Inneneinrichtung entworfen. Die Wiederbelebung ist noch nicht abgeschlossen: Im Mai eröffnet im Innenhof der Biergarten, im Sommer der Festsaal, 2016 sollen ein Delikatessenladen und ein Hotel zum Komplex gehören.
Ein Hotel beherbergte das Volkshaus schon 1925. An den Plänen des damaligen Architekten Henri Baur orientierten sich die ausführenden Architekten, Ascan Mergenthaler und Yasmin Kherad, auch beim Umbau. Ihr Ziel war es, die originale Architektur wo möglich freizulegen und das 
Haus von den Einbauten und Verkleidungen der Siebzigerjahre zu befreien. Zugemauerte Fensteröffnungen wurden genauso freigelegt wie die Deckenbalken in der Brasserie, die unter einer Holzdeckenkonstruktion versteckt waren. Prägende Stilelemente, etwa das ovale Fenster über dem Eingang, kommen an mehreren Orten wieder zum Einsatz. Etwa als Fensterausschnitt oder in der Form eines Spiegels.
Für die Bar haben Herzog & de Meuron eine Theke aus Zinn entworfen. Die Stühle aus Buchenholz sind Nachbauten des originalen Volkshausstuhles und Einzelstücke: Jeder Stuhl, hergestellt von Horgenglarus, besitzt eine andere Rückenlehne. Die Stühle stehen auch in der Brasserie — und werden von Sitzbänken aus olivgrünem Leder ergänzt, die den Raum unterteilen. Von der Decke hängen dicke, mundgeblasene LED-Leuchten. Zwar war es den Architekten ein Anliegen, hochwertige Materialien zu verwenden. Doch in der Toilette zeigt sich, dass «hochwertig» nicht mit «teuer» gleichgesetzt werden muss. In den Räumen hängen schmucke Kugellampen, die man in jedem Leuchtengeschäft findet; die Vintage-Lavabos und -armaturen stammen aus der Bauteilbörse. Die Wandoberflächen sind mit auf Tapete übertragenen Radierungen aus dem 17. Jahrhundert verziert. Sie nehmen Bezug zur Epoche, als das Volkshaus eine Burgvogtei war.Jetzt ist es der neue Treffpunkt im Kleinbasel — auch für internationale Gäste: Nur fünf Gehminuten von der Messe entfernt wird es während der «Art Basel» im Juni mit grosser Wahrscheinlichkeit zur Stammbeiz der internationalen Kunstszene. 

Volkshaus Basel, 2012

Rebgasse 12–14, Basel
> Bauherrschaft: Leopold Weinberg, Adrian Hagenbach
> Auftraggeber: Volkshaus Basel Immobilien AG
> Architektur: Herzog & de Meuron, Basel; Ascan Mergenthaler (Partner), Yasmin Kherad (Projektarchitekt)
> Kosten: ca. CHF 4 Mio.

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