Die Panoramagalerie auf dem Pilatus ist gleichzeitig Aussichtsort und Verbindungsgang. Fotos: Dominique Marc Wehrli

Fin de chantier: Virtualisierte Bergwelt

Die Zahnradbahn auf den Pilatus hatte 1889 ihre Jungfernfahrt, im Jahr darauf öffnete das Hotel Pilatus Kulm seine Türen. Die Idee der beidseitigen Aussicht bildete für Graber & Steiger Architekten die Basis für einen neuen Verbindungsbau.

Die Zahnradbahn von Alpnachstad auf den Pilatus hatte 1889 ihre Jungfernfahrt, im Jahr darauf öffnete das heute denkmalgeschützte Hotel Pilatus Kulm seine Türen. In den 1960er-Jahren wurde der Berg mit Gondel- und Seilbahn vom Luzerner Vorort Kriens her erschlossen und mit dem Rundbau des Hotels Bellevue ergänzt. Die Idee der beidseitigen Aussicht bildete für Graber & Steiger Architekten die Basis für den neuen Verbindungsbau, der das identitätsstiftende Panorama einbezieht. Zugleich ist der neue überdachte Teil des Höhenwegs eine bei jeder Witterung würdige Empfangshalle für die Pilatusgäste. Die Panoramagalerie, ein urbaner Raum auf 2132 Metern über Meer, ermöglicht einem breiten Publikum den Zugang zur kargen Bergwelt.

Die stützenlosen Fensterbänder virtualisieren die Aussicht und machen sie fassbar: gegen Norden das Mittelland, gegen Süden die alpine Bergwelt. Das Panorama ist auf die zweite Dimension reduziert und wie ein übergrosser Diapositivstreifen komfortabel konsumierbar. An den auskragenden Stellen ist das Fensterband am weitesten geöffnet und lädt ein, sich zu exponieren. Der Betrachter kann sich entlang der mäandrierenden Fassaden seine individuelle Perspektive aus der grossen Bandbreite der möglichen Panoramen aussuchen.

Die gelenkte Aussicht auf die raue Bergwelt ist eine architektonische Kontinuität der Felsengalerien am Obwaldner Höhenweg. Diese behält durch zurückhaltende Materialisierung und Farbgebung für den Besucher an jeder Stelle ihre Bedeutung. Die Statik ermöglicht eine offene Raumstruktur: V-Stützen tragen die im Zickzack verlegten Deckenträger aus Stahlbeton, die an den auskragenden Stellen durch filigrane Zugstangen ergänzt sind. Die in Triangel gegliederte Deckenfläche und die flüchtenden Linien der Fensterflächen geben dem Raum seinen Charakter. Zwei Einbauten durchbrechen die offene Halle: die Steinbockbar mit einem rückseitigen Treppenaufgang zur Dachterrasse und ein Souvenirshop in Leichtbauweise.

Mit der auf Glas, Sichtbeton, Sandstein und Stahl reduzierten äusseren Materialisierung der Aussichtsterrasse macht der eingeschossige Neubau den bestehenden Bauten keine Konkurrenz. Er spricht aber dennoch eine starke eigene ­Sprache.

Panoramagalerie, 2011

Pilatus Kulm OW, 2123 m ü. M.

> Bauherrschaft: Pilatus-Bahnen AG, Kriens

> Architektur: Niklaus Graber & Christoph Steiger ­Architekten, Luzern

> Mitarbeit: Philipp Käslin

> Bauleitung: Jürg Gabathuler, Wollerau

> Bauingenieur: Dr. Schwartz Consulting, Zug

> Auftragsart: Wettbewerb 2008

> Kosten (BKP 1–9): CHF 11 Mio.

> Gebäudekosten (BKP2 / m³): CHF 783.–

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