Gegen die St.-Johanns-Vorstadt zeigt sich der Ackermannshof in seiner historischen Gestalt. Fotos: Michael Fontana

Fin de chantier: Vergangenheit und Zukunft

Der Ackermannshof ist ein historischer Komplex, der bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Mit dem Umbau entstand «ein Haus für Menschen aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft».

Der Ackermannshof beim Basler Stadtzentrum umfasst vielfältige Nutzungen: Verlage, Gastronomie, das «Philosophicum», Proberäume für das Kammerorchester Basel oder die Kulturwerkstatt. Auch Harry Guggers Ableger der ETH Lausanne, das «laba» (Laboratoire Bâle), hat sich im ehemaligen Atelier von Dieter Roth eingemietet. Der Ackermannshof ist ein historischer Komplex aus vier Gebäuden, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Mit jedem neuen Besitzer veränderte sich das Gebäudeensemble. Mit dem kürzlichen Umbau entstand «ein Haus für Menschen aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft», wie Alicia Soiron, Co-Präsidentin der Immobiliengesellschaft Ackermannshof, sagt.

Für die Denkmalpflege war der Ackermannshof ein ideales Objekt der Bauforschung. Für das mit dem Umbau betreute Architekturbüro Lost Architekten war der Umgang mit dem historischen Erbe eine grosse Herausforderung. Die Architekten sahen in der baulichen Heterogenität eine Chance, «Menschen einen Ort zu geben, der die Komplexität menschlicher Aktivitäten» räumlich erlebbar macht. Zwischen die gut erhaltene Bebauung aus dem Mittelalter, dem späten 19. Jahrhundert und der Nachkriegszeit legten sie den neuen «Wegraum», der von Häuserwänden gefasst, von Gebäudeteilen überbaut oder zum Lichthof geöffnet ist. Der Weg führt durch das bestehende Zufahrtstor und die anschliessende Durchfahrt ins Vorderhaus zum Ateliergebäude, zur Halle im Hinterhaus oder über den neu gestalteten Hof ins Seitengebäude. Dank der Verlegung aller Gebäudezugänge ins Innere des Areals hat der Komplex eine neue räumliche Mitte erhalten, die als Begegnungs- und Kommunikationsraum genutzt wird.

Der Bestand ist schonend saniert, die Gebäudetechnik jedoch vollständig erneuert. Der grösste bauliche Eingriff ist die Abfangung der Setzerei im Hinterhaus. Damit konnte man den neuen Innenhof in das Gebäude hineinziehen und das offen gestaltete Treppenhaus direkt von aussen zugänglich machen. Die markanten Fensteröffnungen in der hellblauen Fassade akzentuieren die zurückhaltende Gestaltung der angrenzenden weissen Wandflächen. Der zurückspringende Sockel gestaltet eine Art Loggia für die sich über die gesamte Länge erstreckende Sitzbank aus Beton. Im Erdgeschoss des Vorderhauses gibt das grosse Fenster zur St.-Johanns-Vorstadt den Blick in die Bar und das Restaurant frei.

Ackermannshof, 2011

St.-Johanns-Vorstadt 19 / 21, Basel

– Bauherrschaft: Ackermannshof AG, Basel

– Architektur: Lost Architekten, Basel

– Auftragsart: Eingeladener Wettbewerb, 2009

– Kosten (BKP 1–9): CHF 7,3 Mio.

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