Innenhof der Wohnüberbauung Klee in Zürich-Affoltern: Kolossalordnung mit Kirschbäumen. Fotos: Ruedi Walti

Fin de chantier: Über den Klee loben

Affoltern! Viele Zürcher schütteln sich bei diesem Namen. Achtgeschossige Verdichtungsmocken mit bis zu 500 Wohnungen, gesichtslos und eng stehend, so das Bild, das man vom neuen Wohnquartier in Zürichs Norden hat. Zu den wenigen Ausnahmen gesellt sich nun ein schön bemaltes Riesenkuckucksei.

Affoltern! Viele Zürcher schütteln sich bei diesem Namen. Achtgeschossige Verdichtungsmocken mit bis zu 500 Wohnungen, gesichtslos und eng stehend, so das Bild, das man vom neuen Wohnquartier in Zürichs Norden hat. Zu den wenigen Ausnahmen gesellt sich nun ein schön bemaltes Riesenkuckucksei, gelegt von den Genossenschaften GBMZ und BGH. Fremd und gross wie nur Irgendwas an diesem Ort ist es trotzdem das wohnlichste Heim weit und breit, 
aus den folgenden fünf Gründen:


Erstens weil zwei der vier Ecken des Riesengevierts nach innen gewinkelt sind. Statt dass eine  fussballfeldgrosse Fläche geschaffen worden ist, gehen nun — kleeblattartig — drei baumbestandene Hofräume ineinander über.


Zweitens weitet sich jenseits des Blockrandes der Strassenraum zu drei Plätzen, jeweils über weite Durchgänge mit dem Hof verbunden. An diesen Durchgängen liegen Gemeinschaftsräume und zweigeschossige Sonderwohnungen.


Drittens durch die Kolossalordnung der Fassaden: Doppelt hohe Loggien und graugrüne, zum Teil kannelierte Putzflächen fassen jeweils zwei Etagen zusammen. Die Farbe gliedert die Höhe des Blocks, sie gibt ihm nicht nur einen Sockel, sondern auch einen Abschluss oben.


Viertens durch Tupfer, die das Bild bereichern: tiefe Holzlattenbalkone, zauberhafte Waschhäuschen auf dem Dach (bei der BGH sind dort die Dachräume einiger Wohnungen), gestreifte Sonnenstoren, die orangene Mittelsprosse der braunen Fenster, ein knallrotes Clubhaus aus Blech neben dem Fussballplatz an der Strasse.


Fünftens sind die 340 Wohnungen durchdacht, nicht zu gross und für Zürich recht günstig: zum Beispiel 4 ½ Zimmer mit 108 Quadratmeter für 2100 Franken (GBMZ) oder 2300 Franken monatlich (BGH). Entweder öffnet sich der zentrale Wohnraum auf eine doppelgeschossige Loggia oder die Küche auf einen Balkon. Bei letzterem Typ belichtet eine transluzente Verglasung den Wohnraum, ohne dass man auf die Loggia des unteren Nachbarn blickt.


Ein Klee macht aus Affoltern noch keine Stadt. Schon deshalb, weil auch hier in den Erdgeschossen die Läden fehlen. Doch er gibt ein Beispiel dafür, wie man mit der Monumentalisierung städtischer Architektur auch in der Agglomeration lebenswerte Räume schafft.


Wohnüberbauung Klee, 2011

Mühlackerstrasse, Heinrich-Wolff-Strasse, Weidmannstrasse, Zürich-Affoltern
– Bauherrschaft: GBMZ (Gemeinnützige Bau- und -Mietergenossenschaft Zürich), BGH (Baugenossenschaft Hagenbrünneli), Zürich
– Architektur: Knapkiewicz + Fickert, Zürich
– Projektleiter: Marco Caviezel, Thomas Wirz
– Auftragsart: Wettbewerb auf Einladung
– Kostenplanung und Bauleitung: GMS Partner, Zürich
– Landschaftsarchitektur: Andreas Tremp, Zürich
– Gesamtkosten (BKP 1–9): CHF 129,4 Mio.

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