Der Saal öffnet sich gegen den Platz. Fotos: Dominique Marc Wehrli

Fin de chantier: Neue Schale, alter Kern

Erhalten oder ersetzen? Im Zweifelsfall für den Bestand, sagten sich SAM Architekten, als sie den Gemeindesaal für Männedorf entwarfen.

Mit einem neuen Mantel bauten sie das Kirchgemeindehaus aus den Vierzigerjahren zum Gemeindesaal aus und schenkten ihm ein zweites Leben. Sie ergänzten die alte Struktur um Foyer, Küche und Bühne. Den Saal liessen sie bestehen und zogen das Dach in gleicher Neigung weiter. So rückt der Giebel aus der Mitte und die betonierten Stirnseiten weichen vom Bekannten ab, ohne den Bestand zu vergessen. Eine Alu-Streckmetallhaut umhüllt Dach und Längsfassaden.

Der Gemeindesaal bildet zusammen mit dem neuen Kirchgemeindehaus und einem Geschäftsgebäude — beide von Stücheli Architekten entworfen — das neue Zentrum Leue. Ursprünglich gehörte das Grundstück der reformierten Kirchgemeinde. Sie verkaufte ihren alten Saal der Gemeinde und einen zweiten Teil der Parzelle Privaten. Mit dem Erlös erstellte sie ihr neues Zuhause. Doch die drei Eigentümer gingen nicht getrennte Wege, im Gegenteil. Sie setzten sich an einen Tisch und bauten gemeinsam um den neuen Dorfplatz ein Ensemble. Die drei Bauten fassen den Platz, der in der Mitte mit einer Wasserfläche belebt ist. Hier begegnet sich Männedorf.

Präzis und schlicht ist das Gebäude auch im Innern. Die Architekten kleideten den Saal mit Gipsplatten aus und gliederten ihn mit Eichenleisten, die das Giebeldach nachzeichnen. Die Platten bedruckten sie mit einem Muster, das an die Winzertradition des Dorfes erinnern soll. Sieht der Betrachter von Nah nur ein Gewimmel aus Pixeln, erkennt er von Weitem mit viel Phantasie eine Szene aus der Weinlese. Doch diese Auflösung wird den meisten Besuchern verborgen bleiben — zu abstrakt bleibt das Bild. Direkter funktioniert der Bezug zur Rebe bei den Leuchten. Diese hängen wie reife Trauben unter der Decke. Die handgefertigten Gläser glitzern festlich und leuchten dank LED farbig. So bringen sie mit einem Augenzwinkern etwas Opulenz in den reduzierten Raum.

Im Untergeschoss organisierten die Architekten die alten Vereinsräume neu und machten Platz für eine Kinderkrippe. Auf dem Kiesplatz davor trifft sich nun Alt und Jung unter den Kirschbäumen. Auch hier bringt das neue Zentrum das Dorf zusammen und schafft einen offenen, aber prägnanten Platz.

Gemeindesaal Männedorf, 2011

Zentrum Leue, alte Landstrasse, Männedorf ZH

– Bauherrschaft: Gemeinde Männedorf

– Architektur: SAM Architekten und Partner, Zürich

– Innenarchitektur: Atelier Zürich

– Landschaftsarchitektur: Raderschallpartner, Meilen

– Baumanagement: Heinrich Baurealisation, 
Schindellegi

– Auftragsart: Studienauftrag, 2006

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