Anstelle des ursprünglich geplanten Schindelpullovers hüllt ein Klinkerkleid den Bau ein. Fotos: Beat Bühler

Fin de chantier: Klinik-Campus in Pfäfers

Sind das Schindeln? Nein, es scheint nur so. Wohl war im siegreichen Wettbewerbsbeitrag für das Zentrum für Alterspsychiatrie in Pfäfers diese Verkleidung vorgesehen. Doch die Feuerpolizei erhob Einsprache.

Was aus der Ferne wie Schindeln wirkt, sind deshalb helle Klinkersteine, die speziell für dieses Gebäude entwickelt und so geschichtet wurden, dass sie eine geflochtene Struktur ergeben. Entstanden ist kein Solitär, sondern ein optisch stimmiges Bindeglied zwischen den alten gemauerten Fassaden des Klosters und den mit Holzschindeln verkleideten Häusern des Dorfes.

Die barocke Anlage der ehemaligen Benediktinerabtei St. Pirminsberg dominiert den Ort. Hier ist seit 1845 die Kantonale Psychiatrische Klinik untergebracht. Mit dem Zentrum für Alterspsychiatrie — es ersetzt mehrere Provisorien — wurde nun ein neuer und markanter Akzent gesetzt: Kloster, Klinikneubau und der nahe Torkel bilden jetzt ein geschlossenes Ensemble. Aus der Klosteranlage wurde so etwas wie ein Klinik-Campus.

Das Gebäude hat drei Flügel, die sich um einen Innenhof organisieren. Die Patienten wohnen im Süd- und Westflügel, im Nordflügel befinden sich Therapieräume und Ärztebüros, die aus der jeweiligen Station direkt erreichbar sind. Cafeteria und kleiner Saal und die somit öffentlich zugänglichen Bereiche schliesslich sind im Südflügel untergebracht. Alle drei von einer auffallend präzisen Schreinerarbeit geprägten Geschosse sind entweder über einen Haupt- und drei Nebentreppen erreichbar. Steht man bei der Haupttreppe, wird das Ordnungsprinzip sichtbar: ein «Zwiebelschalenprinzip». Höfe und Innenräume werden von einem Wandelgang umgeben, an den dann — gleichsam als äussere Schale — die Nassräume und Patientenzimmer anschliessen. Der Innenhof bringt Licht in jeden Winkel. Um diesen Innenhof herum wiederum gruppieren sich die Begegnungs- und Bewegungsräume. Das ermöglicht einen Rundlauf mit vielen Querbezügen und eine Offenheit in einem Haus, in dem hier wie dort Geschlossenheit notwendig ist.

Und wie lebt, wer hier wohnt? Doppelzimmer hat es, alle sind konsequent längs der Fassade platziert. Ein grosses Fenster gibt den Blick frei in die Landschaft. Ein bisschen Aussenwelt dringt überall ein in diese letztlich hermetische Welt.

Zentrum für Alterspsychiatrie, 2010
St. Pirminsberg, Pfäfers SG
> Bauherrschaft: Kanton St. Gallen, Hochbauamt
> Architektur: huggenbergerfries Architekten, Zürich
> Projektleitung: Carlo Zürcher
> Landschaftsarchitektur: Koepfli Partner, Luzern
> Bauleitung: Walter Dietsche Baumanagement, Chur
> Fassadenelemente: Keller Ziegeleien, Pfungen
> Auftragsart: offener Projektwettbewerb (2004), 108 Teilnehmer
> Baukosten (BKP 1–9): CHF 33,37 Mio.

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