Gegen die Bahnhofstrasse öffnet sich der Glaspalast wieder auf allen vier Geschossen. Fotos: Jelmoli und Werner Huber

Fin de chantier: Hof im Haus, Fenster zur Stadt

Warenhäuser passen sich alle paar Jahre den neusten Verkaufstrends an. Kürzlich hat Jelmoli, das grösste der vier Warenhäuser in der Zürcher Innenstadt, sein Haus neu gestaltet.

Warenhäuser passen sich alle paar Jahre den neusten Verkaufstrends an. Denn was die Kundinnen und Kunden ins Geschäft strömen lässt, ist längst nicht mehr die Ware allein, sondern das Einkaufserlebnis. Kürzlich hat Jelmoli, das grösste der vier Warenhäuser in der Zürcher Innenstadt und das letzte Haus einer einst in der ganzen Schweiz vertretenen Ladenkette, das ganze Haus neu gestaltet. Der Umbau zum «Leading Premium Department Store» sollte ein hochwertiges Umfeld für die zahlreichen Markenshops schaffen. Denn Jelmoli ist kein herkömmliches Warenhaus mit Vollangebot mehr, sondern konzentriert sich auf die Bereiche Mode, Accessoires, Parfums, Lingerie, Interieur und Sport. Das Innere des umgebauten Hauses ist neu und edel — man könnte sich ähnliche Konzepte auch in London, Paris oder New York vorstellen. Bemerkenswert ist aber, dass die architektonischen Qualitäten des Gebäudes gestärkt oder wiederhergestellt wurden. Jahrzehntelang waren die grossen Fensterflächen entweder durch Vorhänge verhüllt oder durch Wände verstellt, die früheren Lichthöfe wurden aufgefüllt und damit die Orientierung im Gebäude verunklärt. Daran änderte wenig, als Tilla Theus die Fassaden sanierte und den einstigen Anlieferungshof bebaute.

Doch nun ist (fast) alles anders: Die viergeschossige Glasfront über dem Haupteingang an der Bahnhofstrasse gewährt einen Blick ins Innere des Hauses und gleich hinter dem Luftvorhang lässt ein Luftraum den Blick aus dem Erdgeschoss durchs ganze Haus bis in den vierten Stock schweifen. Mehr Luft gibt es auch neben den Hauptrolltreppen, die die Leute nicht mehr wie zwischen Scheuklappen durchs Haus schaufeln, sondern sie durch den Raum schweben lassen. Und wer erst mal in den Etagen drin ist, kann sich auch hier orientieren: An vielen Stellen öffnen die Fenster den Blick nach draussen — geschosshoch aus dem Glaspalast von 1899 und der Erweiterung von 1961, als Bandfenster bei den Bauteilen der Dreissiger- und Vierzigerjahre. Die zuvor hermetisch abgeschlossene Einkaufswelt hat sich zur Stadt geöffnet. Davon profitieren beide: Das Warenhaus hat einen Bezug zur Stadt, den ein Einkaufszentrum nicht bieten kann, und die Stadt erhält einen Einblick ins Innere eines belebten Gebäudes.

Umbau Jelmoli, 2010
Seidengasse 1, Zürich
> Bauherrschaft: Jelmoli, Zürich
> Architektur: Blocher Blocher Partners, Stuttgart
> Ingenieur: Henauer & Gugler, Zürich
> Gesamtkosten: CHF 40 Mio.

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