Ringförmige Fluoreszenzröhren steigen an einem stählernen Gerüst empor. Fotos: Walter Mair

Fin de chantier: Edle Hülle für edle Papiere

Das repräsentative Treppenhaus war — in einem Dämmerschlaf in Dunkelheit — in seiner Substanz weitgehend erhalten geblieben. Es ist nun lichtdurchflutet und das Prachtstück im umgebauten Haus der Kunst- und Archäologiebibliothek dem Grafischen Kabinett in Genf.

Amélie Diodati Plantamour war eine grosszügige Dame. Vor über achtzig Jahren schenkte sie der Stadt Genf ihr Haus, ein stolzes Gebäude, erbaut um 1860 auf dem Terrain der ehemaligen Stadtbefestigung. Ihre Bedingung: Es soll einzig den Zwecken des benachbarten Musée d’Art et d’Histoire dienen. Also installierte die Stadt hier die Kunst- und Archäologiebibliothek (BAA) und 1952 zog auch das Grafische Kabinett ein. Innen wurde das Gebäude vor sechzig Jahren letztmals gründlich umgebaut, vor zehn Jahren wurde die Fassade saniert. Entsprechend verbraucht waren die Räume, die ausserdem den Ansprüchen der Nutzer nicht mehr genügten.
Zurückliegende Umbauten hatten die ursprüngliche Struktur an vielen Stellen zerstört oder verwischt. Was erhalten geblieben war, wurde jetzt gereinigt und instand gesetzt. Neue Teile haben
die Architekten neu gestaltet, jedoch nicht, um einen scharfen Kontrast zu erzeugen, sondern als selbstverständliche Zutat.
Das repräsentative Treppenhaus war — in einem Dämmerschlaf in Dunkelheit — in seiner Substanz weitgehend erhalten geblieben. Es ist nun lichtdurchflutet und das Prachtstück im umgebauten Haus. Neu organisiert haben die Architekten die Bibliothek im ersten Obergeschoss mit einem Eingangs- und Empfangsbereich und einem Lesesaal. Aus diesem entfernten sie alle Bücher und gestalteten einen weissen, mit hölzernen Tischen möblierten Raum. In der gleichen Sprache ist auch die Mediathek im zweiten Stock gestaltet. Wegen der Struktur des Hauses führt der Weg dorthin durch einen einst grossen Raum, der schon längst in Korridor und Büroräume aufgeteilt war. Neu ist der Abschluss der Büros zum Korridor: eine Glaswand, auf der eine computergenerierte Vergrösserung der Fassadenzeichnung einen Sichtschutz bietet. Sanft saniert ist das grafische Kabinett im dritten Stock, die Restaurationslabors unter dem Dach sind den modernen Erfordernissen angepasst.
Ein zentrales Thema des Umbaus war das Licht — das natürliche, das vielerorts in Haus strömt, aber auch das künstliche. Ein Blickfang in der Treppenhalle ist der Leuchter aus ringförmigen Fluoreszenzröhren, die wie ein Heiligenschein über der Statue aufsteigen und sich nach oben entwickeln. Im Foyer der Bibliothek tragen vier Lichtsäulen die Decke und auf den Tischen im Lesesaal verbreiten grüne Bibliotheksleuchten eine behagliche Atmosphäre. In den Büros hingegen funktionierten die Architekten verzinkte Kabeltrassees zu Leuchten um, die indirektes Licht an die Decke werfen.

Sanierung Bibliothek und Grafisches 
Kabinett, 2010

Promenade du Pin 5, Genf
– Bauherrschaft: Stadt Genf
– Architektur: Lacroix Chessex Architectes, Genf
– Auftragsart: Honorarofferte
– Kosten (BKP 1–9): CHF 3 Mio.

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