Mit knapp 120 Metern das wahrscheinlich längste Giebeldach der Stadt: die Siedlung Weinbergli 4 in Luzern. Fotos: Stefano Schroeter

Fin de chantier: Die Wohnwand

Wo vorher drei Einfamilienhäuser standen, erstreckt sich nun eine einzige Hauswand. Oben am Weinbergli-Hügel fängt sie die Aussicht über ganz Luzern ein.

Der Ersatzneubau orientiert sich am Bestand: Giebeldach, schmale Fenster mit Läden, Kratzputz in erdfarbenem Ton. So wirkt das Haus an der Stirnseite wie seine Nachbarn aus den Dreissiger- und Vierzigerjahren. Doch das Bild trügt: Das Gebäude ist ein Geschoss höher und kräftig in die Länge gezogen. Die Dachkante verläuft in einer Linie über die knapp 120 Meter lange Fassade. Nur ein kleiner Knick unterbricht sie fast unmerklich. Der Massstab ist an dieser Lage nicht ganz neu. Doch anders als die Häuserzeile weiter unten am Hang versucht der Bau seine Ausdehnung nicht zu kaschieren, sondern er steht zu seiner wuchtigen Präsenz und treibt die Repetition des Fensterrhythmus auf die Spitze. Er bildet eine Rückwand, eine Kulisse, vor der sich das kleinteilige Quartier abspielt. 
Das gestreckte Haus hat seinen Reiz. Es gibt der Verdichtung ein neues Bild, das zwischen Alt und Neu schwebt. Doch was aus der Ferne stimmig erscheint, wird aus der Nähe zum Koloss. Wuchtig wirkt dabei nicht so sehr die Länge, sondern die Höhe. Der Bau thront auf einem massiven Betonsockel. Als geschlossene Wand entlang der Strasse schneidet er das Gebäude vom Quartier ab. Der Sockel ist der Tribut an das enorme Gefälle. Dennoch bleibt unverständlich, warum nur eine Treppe auf die Terrassenlandschaft darüber führt. Immerhin: Mit dem Umbau der Nachbarbauten ist ein zweiter Zugang geplant.
Der Weg zu den Eingängen unterteilt die Terrassen in schmale Felder. Statt zur Abfolge kleiner Plätze werden sie zum Durchgangsort. Die Wohnungen sind über versetzte Geschosse aufgereiht. Die kleine Gebäudetiefe holt am Nordhang möglichst viel Licht ins Haus. Das Wohnzimmer mit Küche verbindet den Blick zum Wald mit der grossartigen Aussicht der Loggien. Im obersten Stock knickt das Dach fast fünf Meter über dem Wohnraum. Die Sichtbetondecke setzt die schrägen Dachflächen geschickt in Szene. So atmen die Räume die Grosszügigkeit der Häuser, die vorher hier standen. 

AH, Fotos: Stefano Schröter

Neubau Weinbergli 4, 2011
Weinberglistrasse 29–35, Luzern
> Bauherr: Allgemeine Baugenossenschaft Luzern
> Architektur: Bosshard & Luchsinger, Luzern
> Landschaftsarchitektur: Raderschall, Meilen
> Farbberatung: Angelika Walthert, Luzern
> Wohnungsspiegel: 8 x 2,5 Zimmer (61 m²), 12 x 3,5 Zimmer (96 m²), 12 x 4,5 Zimmer (112 m²), 4 x 4,5 Zimmer Maisonette (110 m²)
> Auftragsart: Wettbewerb, 2007 (hpw 4 / 2007)
> Mietzinse: CHF 1296.– bis 2863.–
> Gebäudekosten (BKP 2 / m³): CHF 590.–

Kommentare

BATMAN 08.06.2012 09:04
OHNE KNICK WÄRS UM EINIGES STÄRKER! ENTWEDER RICHTIG ODER NICHT.. (BEI SOWAS WILL/SOLL MAN DIE LÄNGE NICHT MEHR RUNTERBRECHEN) BISSL MUT! ANSONSTEN GANZ ORDENTLICH.. BRAVO!
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Ich kann das Bild nicht lesen