Grosse Stoffstoren in drei unterschiedlichen Rottönen beschatten die Fassade und verleihen dem Gebäude den Namen: Koralle. Fotos: Régis Golay, Federal Studio

Fin de Chantier: Das Korallenzelt

Die «crise du logement» beschäftigt die Genfer und Genferinnen wie kaum ein anderes Thema. Zwei Neubauten auf einem ehemaligen Industrieareal helfen mit, die Wohnungsnot etwas zu lindern.

Die «crise du logement» beschäftigt die Genfer und Genferinnen wie kaum ein anderes Thema. Zwei Neubauten auf einem ehemaligen Industrieareal, zehn Gehminuten hinter dem Bahnhof, helfen mit, die Wohnungsnot etwas zu lindern. 58 Mietwohnungen mit vier bis sechs Zimmern (nach Genfer Zählung mit der Küche) sowie Büro- und Gewerberäumen im Parterre und im 1. Stock zählt das lang gestreckte Haus, das die Architekten der Group8 erstellt haben. «Corail» heisst das Haus, das mit zwei gegenüberliegenden Neubauten — dem Bürohaus «Azur» von Matteo Thun und dem Mehrfamilienhaus «Bambou», ebenfalls von Group8 — ein neues Stück Stadt bildet.
Über dem Erdgeschoss kragt das Gebäude aus und markiert so seine Präsenz im Strassenraum. Die Fassade ist vollständig verglast, die Wohnnutzung klar ablesbar: vier grosse Glasfelder pro Regelwohnung. Dahinter liegt auf der ganzen Breite der Wohn- und Essraum mit Küche und ein Bereich, der mit einer mehrteiligen Schiebetür abtrennbar ist. Da die Bauherrschaft an diesem Ort keine Balkone wünschte, lassen sich die beiden mittleren Fensterfelder zur Seite schieben, sodass man auf einer grossen Loggia zu sitzen scheint. Die Stahlkonstruktion der Fassade ist im Farbton «gris janvier» lackiert, einem glänzenden, unregelmässigen Grauton. Grosse Stoffstoren in drei unterschiedlichen Rottönen beschatten die Fassade und erzeugen in den Wohnungen eine Atmosphäre wie in einem Zelt.
Der Neubau ist noch nicht lange bezogen und die Fassade gestattet den Blick in die Wohnungen wie bei einer Puppenstube. Er sei gespannt, wie die Bewohnerinnen und Bewohner mit dieser Offenheit umgehen würden, meint Tarramo 
Broennimann, der bei Group8 das Projekt betreut hat und inzwischen selbst hier eingezogen ist. Die Hofseite steht in einem scharfem Kontrast zur Strassenfassade: Sie ist braun-beige verputzt und mit raumhohen schmalen Fenstern übersät — immer je eines pro Zimmer.
Die Konstruktion des Neubaus ist einfach, aber solide. Im Treppenhaus ist der Beton mit einem 
Schutzanstrich versehen und sichtbar, in den Wohnungen sind die Wände und Decken weiss, am Boden liegt Parkett. Weil das Gebäude den Minergiestandard erfüllt, kam die Bauherrschaft bei der Ausnützung in den Genuss eines Zehn-Prozent-Bonus gegenüber dem Wert des Quartierplans. Dieser Bonus wurde bei den doppelgeschossigen Attikaaufbauten eingesetzt, die sich mit ihren leicht schräg gekippten Aussenwänden und der hellen Aluminiumhaut vom übrigen Gebäude absetzen.

Maison Corail, 2011


Rue du Grand-Pré 70–70D, Genf
– Bauherrschaft: A & A Real Estate Grand-Pré
– Architektur: Group8 architecture & urban planning, Châtelaine-Genf

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