Die Fassade am Bahnhofplatz wurde sorgfältig restauriert.

Fin de chantier: Bernergepräge mit Londoner Touch

Ein Warenhaus? Ein Bürogebäude? Businessapartments? Ideen, wie das Hotel Schweizerhof am Bahnhofplatz in Bern anders zu nutzen wäre, gab es viele.

Lange sah es schlecht aus um das Traditionshaus, das auf das «Hôtel Fetzer, Restaurant et Café du Chemin de Fer» zurückging. Dieses hatte — in weiser Voraussicht auf reisende Gäste — ein Jahr vor der Eisenbahn den Betrieb aufgenommen. Der Neubau der Architekten Bracher & Widmer und Daxelhoffer wurde dann 1913 eröffnet. Als das Hotel 2005 seine Türen «für umfangreiche Renovationsarbeiten» schloss, fürchteten viele, das seis nun gewesen.

Doch 2007 übernahm ein Investor aus Katar den Schweizerhof und erweckte ihn zu neuem Leben. Allerdings verlief auch das nicht reibungslos: Es gab zwar schöne Pläne der Interior Designer, aber keine Werkpläne. Zehn Monate vor dem fixierten Eröffnungstermin nahm ein neues Team das Heft in die Hand. Der Wechsel des Chirurgen am offenen Herzen gelang.

Mit Ausnahme des Rohbaus, einer der frühen Betonkonstruktionen, war nicht mehr viel wirklich alte Bausubstanz vorhanden. Heute zeugen nur noch die Säle im 1. Stock und — als Pièce de Résistance — das Treppenhaus und der hölzerne Lift vom Altbau. Ansonsten wurde das Haus bis auf die schlanke Betonkonstruktion zurückgebaut. Korridore hat man verschmälert, um mehr Platz in den Zimmern zu gewinnen, Zimmertrennwände wurden verschoben. Um die hundert Zimmer zu erreichen (99 sind es jetzt), schlug die Denkmalpflege vor, hofseitig das Dach anzuheben, um zusätzlichen Raum zu gewinnen.

«Architektur und Baumaterial zeigen ausgesprochenes Bernergepräge, sodass der ankommende Fremde gleichsam vom Genius loci empfangen wird», schrieb die Schweizerische Bauzeitung 1914. Das gilt fürs Äussere noch immer: Fassaden und Dach wurden sorgfältig restauriert. Im Innern jedoch wähnt man sich eher in London oder New York als in der gemütlichen Berner Altstadt. Gediegene Beige-, Braun- und Grautöne beherrschen das Bild, so wie man sich heute eben ein «Designhotel» vorstellt. Dies macht das Interieur austauschbar, worüber auch die Fotografien von Berner Wahrzeichen in den Korridoren nicht hinwegtäuschen. Aber dafür ist der Schweizerhof eine klare Alternative zum Bellevue, das seine Grandhotel-Tradition weiterführt. Und die traditionsreiche Brasserie «Jack’s», eine Reminiszenz an den einstigen Patron Jack Gauer, ist ohnehin unverändert seit bald hundert Jahren.

Umbau Hotel Schweizerhof, 2011

Bahnhofplatz 11, Bern

– Bauherrschaft: Hotel Schweizerhof Bern, vertreten durch QDHP Swiss Management, Zug

– Innenarchitektur: MKV Design, London

– Ausführungsplanung / Realisierung: ARGE AHA und Spörri Graf Partner APP, Bern (Zimmer und Gebäudehülle); Monoplan, Zürich (Lobby und Beletage)

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