Das neue Kräuterzentrum von Ricola, geplant von H&deM Fotos: Ricola

Ein Riesenbonbon aus Lehm

Die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Herzog & de Meuron und Ricola findet eine Fortsetzung: Die Basler Architekten bauen für den Laufener Kräuterbonbonhersteller ein Kräuterzentrum mit Wänden aus Stampflehm. Die Fertigung derselben könnte den Lehmbau revolutionieren.

Die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Herzog & de Meuron und Ricola findet eine Fortsetzung. 33 Jahre nachdem sich der einstige Patron des Laufener Familienbetriebes sein Wohnhaus von den damaligen Jungarchitekten aus Basel umbauen liess und sechs weitere, zum Teil weltberühmte Gebäude folgten, bauen H&deM für 16 Mio. Franken nun die neue Kräuterzentrale neben die Fabrik in Laufen. Das unspektakuläre Volumen aus Stampflehm (100 x 30 Meter gross, 11 Meter hoch) soll bald der Verarbeitung und Lagerung der 13 Ricola-Kräuter dienen. Ein kleines Besucherzentrum macht dann darin den Prozess erlebbar; auch die grossen runden Fenster, eins pro Seite, geben Einblick.
Der Kräuterbonbonhersteller setzt dabei stark auf Nachhaltigkeit, nutzt die Abwärme der nahen Fabrik und Fotovoltaik auf dem Dach. Die Architekten gewinnen daraus den Charakter des Baus, der ganz auf die geschichtete Struktur seiner massiven Stampflehmwände setzt. Die werden schon jetzt, Wochen bevor sie auf die Baustelle kommen, in einer nahen Werkhalle vorgefertigt. Martin Rauch, Stampflehmexperte aus dem Vorarlberg, hat dort eine bisher einzigartige Fertigungsanlage installiert: Seine Mitarbeiter schichten und verdichten Erde aus einem Umkreis von nur 10 Kilometern zu 50 Meter lange Wänden, teilen diese in 5 Tonnen schwere Abschnitte, die nach einer kurzen Trockenzeit auf der Baustelle zu einer monolithischen Wand zusammengefügt werden. Am Ende werden es 666 Abschnitte sein. Die Vorfertigung im grossen Massstab verringert den grossen Nachteil dieser Bauweise: den hohen Handarbeitsgrad.
Ab Frühjahr 2014 können sich dann Besucher davon überzeugen, dass Wände aus Stampflehm ganz ohne Technik ein grossartiges Raumklima schaffen. Und dass in den Ricola-Bonbons tatsächlich 13 verschiedene Kräuter drin sind.

Kommentare

Elisabeth Burtscher 07.02.2013 13:49
Das müsste der Bau des Jahres 2013 werden !!!
Patrick 07.02.2013 18:31
Sehr interessantes Projekt. Stampflehm in dieser Groessenordnung. Wer ist der Projektleiter?
Axel Simon 11.02.2013 15:20
Nun, wie gesagt, den Lehmbau hat Martin Rauch aus Schlins unter sich. Oder meinen Sie bei den Projektleiter der Architekten?
M Frühwirth 19.02.2013 17:04
@Patrick: Lehm Ton Erde ist das Unternehmen, hier Fotos vom Herstellungsprozess: http://www.lehmtonerde.at/de/projekte/projekt.php?pID=87
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Ich kann das Bild nicht lesen