Der Neubau für das ITA kommt über der Tiefgarage des HIL-Gebäudes zu stehen. Fotos: ETH Zürich

Ein Haus als Testlabor

Die ETH Zürich baut am Hönggerberg ein Gebäude als Forschungsobjekt. Eine Ausstellung informiert über das «Arch_Tec_Lab», das den Weg in die gebäudetechnische Zukunft weisen soll.

Das Institut für Technologie in der Architektur (ITA) der ETH Zürich baut sich am Hönggerberg ein neues Gebäude. Unter einem Dach sollen die zehn Professuren künftig gemeinsam forschen. Eine Ausstellung auf dem Campus informiert über das ungewöhnliche Projekt. Denn die ETH will nicht nur im Bau, sondern auch am Bau lernen. Darum plant sie statt eines architektonischen Prestigegebäudes ein Laborhaus. Schon der Name «Arch_Tec_Lab» macht klar: Das Haus soll nicht die Schönheit der Architektur feiern, sondern den Weg in die gebäudetechnische Zukunft weisen. Die Hochschule hat keinen Architekten beauftragt, sondern entwirft, beziehungsweise entwickelt das Haus selber am Institut. Die ETH will «keinen Luxus», wie Sacha Menz, Projektleiter und Vorsteher des Architekturdepartements, an der Vernissage sagte. Für die Glasfassade etwa wolle man ein Produkt ab Stange verwenden, keine teure Speziallösung. Der Bau werde pro Arbeitsplatz etwa halb so viel kosten wie üblich, rechnete Menz vor.

Die ETH will den Campus verdichten. Also baut sie dort, wo schon betoniert ist: Das Haus steht über der Tiefgarage vor dem HIL-Gebäude. Es ruht auf sechs Stützen, die im Boden eingespannt sind. Aussteifende Betonkerne sind nicht nötig. Die ETH setzt konsequent auf Leichtbauweise. Statt wie üblich 300 soll der Neubau nur 200 Kilogramm pro Kubikmeter auf die Wage bringen. So wollen die Architekten die graue Energie reduzieren. Im Gebäude probiert das Institut seine Technologien 1:1 aus. Die Professoren werden ihre Fehler selber ausbaden müssen, sitzen doch nachher sie in den Räumen. Gebäudetechnik-Professor Hansjürg Leibundgut hat keine Bedenken, dass das geplante Null-Emissions-Haus nicht funktioniert. Er geht sogar einen Schritt weiter als beim umgebauten HPZ-Gebäude, das ebenfalls emissionsfrei betrieben wird. Über Klappen auf dem Dach wird der Neubau gelüftet – ohne Wärmerückgewinnung. Es habe sich gezeigt, erklärte Leibundgut, dass die Erdsonden im Sommer mehr Wärme speicherten, als im Winter gebraucht würde.

Das gewellte Dach des Neubaus ist aus kleinen Holzstäben konstruiert, die Roboter zusammenbauen. Dank der digitalen Fabrikation können die Architekten die Statik der Decke optimieren und trotz der grossen Spannweiten günstiges Bauholz verwenden. Eine neue Robotikhalle bildet denn auch das Zentrum des Gebäudes. Darüber befinden sich zwei Bürogeschosse, die mit Leichtbauelemente unterteilt sind. Die CAAD-Professur errechnete Varianten, die zeigen, wie die Einbauten am besten auf der Geschossfläche verteilt werden. Ändert sich die Zusammensetzung der Lehrstühle, können sie theoretisch verschoben werden. Auch beim Bauprozess will die ETH neue Wege gehen. Die Ausschreibung geschieht über einen Blog im Internet. Dort können Firmen wie bei Facebook Kommentare abgeben. «Wir wollen den Bauprozess vorantreiben und suchen den Link mit der Industrie», sagte Menz. Die Baubewilligung für der Neubau ist erteilt. Im Herbst soll das Projekt ausgeschrieben werden. Da es eine öffentliche Ausschreibung ist, läuft diese aber nach wie vor auf Papier ab. Ausserhalb der ETH ist man noch nicht bereit für die Visionen vom Hönggerberg.

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