Eduard Neuenschwander in Gockhausen. Ein halbes Jahr vor seinem Tod ehrte ihn der BSA mit einer Monatsveranstaltung. Fotos: Jürg P. Hauenstein

Ein Gestalter lebenswerter Räume

Eduard Neuenschwander ist tot. Er hinterlässt uns ein bemerkenswertes Werk, in dem Architektur und Natur verschmelzen. Und eine Mahnung, die heute Not tut: Wir bauen nicht für uns. Wir bauen für andere Menschen, für Tiere und Pflanzen.

Eduard Neuenschwander war lange der grosse Unbekannte der Schweizer Architektur. Das lag an seinem Werk, das Grenzen überschritt – war er Architekt? Landschaftsarchitekt? Denkmalpfleger? – es lag aber auch an seinem Naturell. Er war Kämpfer. Begegnete man ihm das erste Mal, hielt er eine Predigt über Naturgesetze, die klassische Moderne und den Verlust von Sinn und Sinnlichkeit durch den Computer. Diesen Furor muss er schon vor sechzig Jahren besessen haben: Ein junger Architekturstudent, der vehement eine Reform des Lehrsystems der ETH Zürich forderte. Er führte eine Gruppe an, die sich um den berühmten Sigfried Giedion scharte, publizierte, machte Ausstellungen. Als Freund vom Sohn des Kunsthistorikers hatte er schon als Schüler in dessen Villa im Doldertal den Heroen der Moderne gelauscht. An der ETH gründete er die «Junior Groups» des CIAM, dem avantgardistischen «Congrès Internationaux d’Architecture Moderne», und ging schliesslich im Dezember 1949, auf Empfehlung seines Mentors, nach Helsinki, zu Alvar Aalto in die Lehre. Die zweieinhalb Jahre Finnland prägten ihn. Die menschenfreundliche Architektur Aaltos, aber auch die Landschaft, ihr Wasser, ihre Felsen, ihre Linien. Seine Liebe zur Natur fiel hier auf fruchtbaren Boden. Als er und seine erste Frau 1952 nach Zürich zurückkehrten, veröffentlichten sie ein schmales und zärtliches Buch über den Meister und sein Land – obwohl dem ambitionierten Schweizer Jungarchitekten die ihm abverlangte demütige Arbeit dort nicht leicht gefallen war. Organische BaukörperEnde der Fünfziger Jahre baute er seine ersten Häuser. Von Anfang an verschmolz er Architektur und Natur, erfand Pflanztröge vor den Fenstern, komponierte feine Gärten. 1960 dann der Wettbewerbssieg, der sein Büro zehn Jahre lang beschäftigen sollte: Die Kantonsschule Rämibühl, damals grösste Schule der Schweiz, wurde Eduard Neuenschwanders H...
Ein Gestalter lebenswerter Räume

Eduard Neuenschwander ist tot. Er hinterlässt uns ein bemerkenswertes Werk, in dem Architektur und Natur verschmelzen. Und eine Mahnung, die heute Not tut: Wir bauen nicht für uns. Wir bauen für andere Menschen, für Tiere und Pflanzen.

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