Der Architekturkritiker Manfred Sack. Ein Bild aus dem Jahre 2010. Fotos: Pjt56 via commons.wikimedia.org

Ein Freund von Hochparterre ist gestorben

«Seit 25 Jahren erhielten Benedikt Loderer und ich immer Mitte Dezember einen Brief aus Hamburg. Darin bestellte Manfred Sack uns und dem Hochparterre die Wünsche zu Weihnacht und Neujahr. Manfred Sack war der profilierteste Architekturkritiker des deutschsprachigen Journalismus. Nun ist er im Alter von 86 Jahren in Hamburg gestorben.» Ein Nachruf von Köbi Gantenbein.

Seit 25 Jahren erhielten Benedikt Loderer und ich immer Mitte Dezember einen Brief aus Hamburg. Auf dem Umschlag als kleine Collagen selber gemachte Briefmarken, die Adresse mit der alten Schreibmaschine geschrieben. Im Brief bestellte Manfred Sack uns und dem Hochparterre die Wünsche zu Weihnacht und Neujahr; er lobte den einen und anderen Artikel, kritisierte das vorletzte Layout – schwer lesbar – um dann das letzte umso mehr zu loben; er schrieb, was ihn in Hamburg doch verwundert habe über die Schweiz zu lesen und immer schloss er mit grossen Ermunterungen. Alles geschrieben auf der Schreibmaschine, korrigiert mit Bleistift. Im Dankesbrief erzählte ich ihm, wer in Hochparterre Kinder gekriegt hat, wie sie heissen, wieviel Geld wir verdient haben und welche Konflikte motten oder erloschen sind. Nun kommen keine Brief mehr, denn Manfred Sack ist, 86 Jahre alt, in Hamburg gestorben. Manfred Sack war der Architekturkritiker des deutschsprachigen Journalismus. Zufällig kam er zum Thema; nach seinem Studium als Musikwissenschafter war er als Reporter für eine Lokalzeitung unterwegs, landete bei einer Frauenzeitschrift und fand 1959 in die Redaktion der «Zeit», wo er allerhand machte und schliesslich, «weil das niemand wollte», immer mehr Beiträge zu Architektur und Städtebau in der aufbrechenden Bundesrepublik schrieb. Journalist von Beruf und Autodidakt vom Fach wurde der feinsinnige, liebenswürdige Mensch in den Siebziger- und Achtzigerjahren zu einer Instanz in der Architekturkritik. Seine Texte über die rabiate Bauwirtschaft wurden gelesen, viele weinten mit ihm die Tränen über den Unverstand zeitgenössischer Architekten wie Norman Foster oder zur Rekonstruktion des Berliner Schlosses als «Fälschung». 35 Jahre sass er im Feuilleton der «Zeit» und wurde der Massstab im Architekturjournalismus – er blieb das auch nach seiner Pensionierung 1994 und er wird ein M...
Ein Freund von Hochparterre ist gestorben

«Seit 25 Jahren erhielten Benedikt Loderer und ich immer Mitte Dezember einen Brief aus Hamburg. Darin bestellte Manfred Sack uns und dem Hochparterre die Wünsche zu Weihnacht und Neujahr. Manfred Sack war der profilierteste Architekturkritiker des deutschsprachigen Journalismus. Nun ist er im Alter von 86 Jahren in Hamburg gestorben.» Ein Nachruf von Köbi Gantenbein.

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