Das Dfab-House leuchtet der Branche den Weg in die digitale Zukunft. Fotos: NCCR Digital Fabrication

Digitale Träume

Das Dfab-House der Empa zeigt eindrücklich, wie die digitale Baukultur dereinst aussehen könnte. Damit sie Realität wird, braucht es aber mehr Lösungen und weniger Luftsprünge.

«Radikal», «revolutionär», «Science-Fiction»: Es ist selten, dass Forscher solche Wörter in den Mund nehmen. Doch am Medienanlass zum Dfab-House, das die Empa am Nest-Gebäude in Dübendorf heute eröffnet, gehen die Superlative hoch. Sogar Bundesrat Guy Parmelin reist am Abend an, um das Forschungsmodul feierlich einzuweihen. «Das ist ein Meilenstein der digitalen Baukultur», verkündet ETH-Professor Matthias Kohler. «Wir haben die Grenzen des Machbaren verschoben.» Die Unit versammelt den geballten Forschertrieb des NFS «Digitale Fabrikation». Acht Professuren haben zusammen mit über 30 Industriepartnern daran gearbeitet.

Der Computer befreit die Formen: dynamische Pfosten, gewellte Wand, gerippte Decke.

Wer durch die Räume geht, merkt nicht sofort, dass er im digitalen Morgenland ist. Das ändert ein Blick nach oben. Eine Betondecke kragt mit Rippen organisch aus wie ein Skelett. Die Schalung dafür hat ein 3D-Drucker produziert. Die Wölbung nimmt diverse Haustechnik auf und spart reichlich Gewicht: Zwei Zentimeter dünn ist die Konstruktion an der schmalsten Stelle nur. Die Ästhetik ist Geschmacksache. Vielversprechender klingt die Aussicht dank digitaler Fertigung weniger Material und weniger graue Energie zu verbrauchen.

Solche Hoffnungen liegen nicht bei allen Forschungen auf der Hand. Die Skelett-Decke lagert auf einer Betonmauer, die den Raum schwungvoll unterteilt. Die Bewehrung der Mauer, die gleichzeitig als Schalung diente, hat ein Roboter direkt vor Ort erstellt. Bisher arbeiteten die gefühllosen Geräte eingesperrt in einem Laser-Käfig, damit sie niemanden verletzen. Das Dfab-House befreit sie erstmals aus der Werkhalle. Dass die Roboter die Bauarbeiter verdrängen und das Bauen so effizient wie die Autoindustrie machen, heisst das jedoch nicht. Die komplexe Geometrie bedeutet viel Handarbeit, um den Beton aufzutragen und die Oberfläche zu behandeln. Die Digitalisierung dreht sich im Kreis, jedenfalls was die Effizienz angeht.

Bauarbeiter giessen das Bewehrungsgitter mit Beton aus.

Ein Element der Rippendecke wird auf die Wand gehievt.

In der Glasfassade tragen Betonpfosten, die dicker und wieder dünner werden. Möglich machte dies eine dynamische Schalung, die den Querschnitt den Kräften anpasst. Im Obergeschoss geht es hölzig weiter. Ein Fachwerk trägt in allen möglichen Richtungen und Winkeln, eine aussteifende Beplankung ist deshalb nicht nötig. Jeden einzelnen Balken hat ein Roboter gegriffen und zugeschnitten. Da die Flächen zum Teil doppelt gekrümmt sind, spannt zwischen den Balken kein Fensterglas. Stattdessen kommt eine flexible Membran zum Einsatz, die mit Aerogel hochwirksam dämmt, aber die Aussicht nimmt. Die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten – und damit auch neue Probleme.

Zwischen den Holzbalken spannt eine flexible Membran, da die Flächen doppelt gekrümmt sind.

Die Balken hat der Roboter in der Halle zugeschnitten.

Die Forschungen, die nun von Gästen der Empa und Eawag bewohnt werden, sind bemerkenswert und international führend. Das Dfab-House gibt Einblick in eine Zukunft, die wir heute noch nicht abschätzen können. Das ist faszinierend und wichtig. Das Modul zeigt aber auch: So viel von der Digitalisierung geredet wird, im Bauen steckt sie nach wie vor in den Kinderschuhen. Doppelt gekrümmte Flächen, dynamische Querschnitte, fliessende Wände: Der Computer befreit die Formen. Aber das reicht nicht. Damit die digitale Baukultur Realität wird, muss sie helfen Herausforderungen wie die Energiefrage oder den Materialverschleiss zu lösen. «Die digitale Architektur ist aufregend und nachhaltig zugleich», sagte Kohler an der Eröffnung. Hoffen wir, dass sich die Forscherinnen künftig noch stärker Letzterem annehmen.

Kommentare

Joel 27.02.2019 21:30
Schon wieder ein gelungenes <a href="https://3d-drucker-kaufen.info/hausbau/">3D Drucker Haus</a>. In puncto Design übertrifft es meiner Meinung nach Vorgänger aber deutlich. Das neuartige Design wirkt erst befremdlich, letzendlich kann man aber von einem gelungenen Konstrukt reden, deren Linien sanft ineinander überzugehen scheinen. Interessant wäre noch eine ungefähre Einordnung von Dauer und Preis des Hauses. Mit freundlichen Grüßen Joel
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Ich kann das Bild nicht lesen