Die Schau der Schau

Die 17. Architekturbiennale in Venedig geht Ende November zu Ende. Für unseren Redaktor war es die zehnte. Sein Blick zurück zeigt Tiefen und Höhen. Und den ewigen Streit zwischen Ästhetik und Ethik.

Die 17. Architekturbiennale in Venedig geht Ende November zu Ende. Für unseren Redaktor war es die zehnte. Sein Blick zurück zeigt Tiefen und Höhen. Und den ewigen Streit zwischen Ästhetik und Ethik.

Venedig ist das Cannes der Architektur. Alle zwei Jahre geht es hier um Raumerlebnisse und Projektneuheiten. Vor allem aber geht es darum, endlich den weissen Anzug zu tragen oder das rückenlose Kleid. An den Eröffnungstagen ist man für drei Tage Teil einer Flut von Architektinnen und Journalisten, die zwischen Giardini und Arsenale hin und her springt. Ausstellung, Austausch, Apéro und am Abend Party. So war das vor Corona. Die Pandemie verschiebt die Eröffnung der Mostra internazionale di architettura di Venezia 2020 zuerst um drei Monate und dann doch um ein Jahr. Im Mai 2021 eröffnet man arg coronabeschränkt. Im September findet dann so etwas wie eine zweite Eröffnung statt. Nichts wie hin! Corderie dell'Arsenale, endlich! Ich betrete das 300 Meter lange Gebäude, Teil der 17. Architekturbiennale in Venedig. Meine zehnte! An zwei Dinge muss ich denken, als ich die Säle mit den Riesensäulen betrete: Erstens an die ‹Strada Novissima›, die Paolo Portoghesi an der ersten Architekturbiennale hier installiert hatte. Damals, 1980, war die Postmoderne noch pupertär. Ich auch, deshalb kenne ich die legendären Säulen aus Holz und Pappe nur von Fotos. Die zweite Erinnerung: Ein junger Mann tritt gegen den Jahrhunderte alten Backstein und ruft: «What the fuck is architecture?» Das war 2006, an der 10. Architekturbiennale. Aber erinnern wir uns der Reihe nach. ###Media_12### 2002, ‹NEXT›, Kurator: Deyan Sudjic Meine erste Biennale. Ich bin aufgeregt, der Katalog dick, die Schau banal. Eine Aneinanderreihung von Megaprojekten, die durch die Pipeline der global spielenden Architekten gleiten. Mehr muss man nicht wissen. ###Media_2### 2004, ‹Metamorph›, Kurator: Kurt W. Forster Wölb, bläh, dehn – der aus der Schweiz stammende, in Amerika architektursozialisierte Kurator proklamiert, er wolle neue Sichtweisen eröffnen. Darum stehen überall softwaregeformte Riesen...

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