Architektonisch ist die Halle fertig, nun wird sie vielfältig mit Leben gefüllt werden: Mittagstisch, Blasmusikprobe und Muki-Turnen? Und an der Decke dreht die Kunst-am-Bau. Fotos: Ralph Feiner

Die letzte Wohnung

Wir sehen hier eine Wiedergeburt, schreibt Köbi Gantenbein über das Altersheim in Maienfeld: Es gibt ihn, den Architekten, der im engen Budget eines Sozialbaus da und dort die Schönheit des Details durchsetzen kann.

Es bietet Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen und eine grosse Halle: Das Altersheim in Maienfeld. Die Sonne fällt milde gefiltert durch fünf Öffnungen im Dach. Helle strömt durch die Fenster im Hintergrund vom Garten her und Licht schleicht durch den Eingangsschlupf vom Vorplatz herein in die Halle. Hier verziehen sich die drei Lichter in die Nischen, in Vor- und Rücksprünge. Sie werfen Schatten, springen um zwanzig Ecken, spiegeln auf dem gelb schimmernden, geschliffenen Betonboden und verschwinden in den weissen, feinkörnig verputzten hohen Wänden durch Fenster in die oberen Geschosse.Doch diese Halle ist nicht zwecklos schön gedacht und gemacht für den Lichtertanz. Wir sind nicht im Museum, sondern im Alterszentrum Senesca von Maienfeld, einem Sozialbau eng am Bändel von Subventionen und Vorschriften. Warum also ist der Bau so geglückt, dass er in der oberen Liga der Schweizer Architektur spielen kann? Der Berg- und der Landschaftsblick antworten, denn der Neubau, mit dem Dominik Isler seinerzeit den Wettbewerb unter 76 Eingaben gewonnen hat, bietet aus jedem Zimmer eine gute Aussicht. Die beste übers Städtchen zum Gebirge ins Nordlicht, die schöne über Land oder zum Schulhausplatz, die passable zu Wohnbauten und die verträumte auf den Garten zum Bach und in allerhand Gehölz. Vielblickig aber konnte die Grundfigur auf der Wiese am Fuss von Maienfeld, umgeben von Bauten aller Art, weder als eine Zeile noch als Zweispännerbogen sein. Also entstand ein kreisartiges Haus mit zehn Fassaden, die einander in spitzen und flachen Winkeln folgen, ein Haus ohne Vorder- und Rückseite. Den Fassaden entlang sind die Zimmer versorgt — der Rest ist Geometrie und ein kleines, baukünstlerisches Abc, entlang dem die Architekten die Nischen, Vor- und Rücksprünge als Teile einer Plastik gefügt und die eichenumrahmten Schaufenster der Obergeschosse und die Oblichter ...
Die letzte Wohnung

Wir sehen hier eine Wiedergeburt, schreibt Köbi Gantenbein über das Altersheim in Maienfeld: Es gibt ihn, den Architekten, der im engen Budget eines Sozialbaus da und dort die Schönheit des Details durchsetzen kann.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?