Zwei- und dreigeschossige Aufenthaltzonen durchbrechen die horizontale Stapelung.

Die Höhe und die Vertikale

Dass der Bau 1 das höchste Gebäude der Schweiz ist, wollte Roche an der heutigen Eröffnung nicht betonen. Das Revolutionäre sei vielmehr die Vertikale, also die Aufenthaltszonen, die die Geschosse durchbrechen.

Roche weiss: Die Höhe ist ein heikles Thema. Mit keinem Wort verwies der Pharmakonzern in der heutigen Medienmitteilung zur Eröffnung des Bau 1 auf das, was alle schon wussten: Mit 178 Metern ist der Roche-Turm das mit Abstand höchste Haus im Lande. Konzernchef Severin Schwan sprach geflissentlich von einer «evolutionären Entwicklung» am Standort Basel und verwies immer wieder auf die Tradition seit Otto Rudolf Salvisberg. Und Architekt Jacques Herzog gab zu Protokoll: «Ein Höhenrekord ist weder für Roche noch für uns Architekten ein Thema.» Natürlich sei dieser Massstab neu für Basel und die Schweiz. «Aber das hat nichts mit Macht zu tun», so Herzog trotzig. «Wir leben nicht mehr im 20. Jahrhundert.» Der ehemalige Basler Kantonsbaumeister Carl Fingerhuth, der den Turm scharf kritisiert hatte, habe ein eingefrorenes Bild der Stadt, so der Architekt. «Das ist gelinde gesagt absurd, Städte müssen sich entwickeln können.» Herzog verglich die Entwicklung mit den Klosterarealen, die die Stadt ebenfalls umpflügten.

Die Botschaft an der Medienkonferenz war klar: Das Revolutionäre am Turm ist nicht die Höhe, sondern die Vertikale. Zwei- und dreigeschossige Aufenthaltsbereiche durchbrechen die Stapelung auf fast jedem Stockwerk. «Das ist neu», so Herzog. Vergleichbare Räume gäbe es in keinem anderen Hochhaus. Neben der internen Kommunikation betonte Schwan den Dialog mit der Stadt. Der Vorplatz des Turmes, wo Roche heute eine Skulptur von Fischli/Weiss enthüllte, sei offen für alle und die Grenzacherstrasse habe man attraktiver gestaltet. Der Turm aber ist grundsätzlich nicht öffentlich zugänglich, auch nicht die Cafeteria im 38. Stock. «Das hätte logistisch nicht funktioniert», so Schwan. Roche führt jedoch Besucher auf Rundgängen durch den Bau und die Firmengeschichte. Diese seien aber auf Monate hin ausgebucht, so Schwan. Die meisten Baslerinnen und Basler müssen sich also auch nach der Eröffnung mit der Aussensicht begnügen.

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