Präzise Holzmodelle bringen Mühlethalers feine Strenge zum Tragen. Fotos: © Architekturfotografie Gempeler, Bern

Der Reiz der Repetition

Das Architekturforum Zürich zeigt Rolf Mühlethalers Entwurf für das Freilager Albisrieden. Vom Städtebaumodell über Detailschnitte bis zur Fassadenmakette in Echtgrösse präsentiert die Schau dessen feine Strenge.

Auf dem Freilager in Zürich Ablisrieden entstehen in den nächsten Jahren gegen 1000 Wohnungen. Im nördlichen Teilgebiet errichtet der Berner Architekt Rolf Mühlethaler drei Längsbauten und drei Hochhäuser als Abschluss des Areals. Bei den Zeilen setzt er auf Holzbau, die Türme sind in Beton ausgeführt. Beiden gemein ist die Strenge und Präzision der Vorfabrikation. Der Entwurf entwickelt seine Kraft aus der Repetition der gleichen Elemente, aus der Wiederholung in der Vertikalen und in der Horizontalen. Die Längsbauten lassen der Aneinanderreihung freien Lauf. Bei den Türmen binden umlaufende Balkone drei Geschosse zusammen und gliedern das Übereinanderstapeln des immer Gleichen. Der Rationalität verleiht Mühlethaler mit einer subtilen Fassadengestaltung Wirkung. Die Ausstellung im Architekturforum Zürich lädt ein, sein Projekt in der ganzen Detailtiefe kennen zu lernen.

Schlichte Holzmodelle veranschaulichen, wie die Zeilenbauten und die Türme offene Höfe aufspannen. Sie zeigen, wie die Fassade mit feinem Fugenbild, Lisenen und Staketengeländer gegliedert ist. Auf den 1:20 Plänen lässt sich der Wandaufbau detailliert studieren. Zwei Fassaden-Modelle in Echtgrösse zeigen die schlichte Schönheit der vorfabrizierten Elemente aus Eiche und sandgestrahltem Beton. Die klare Struktur zieht sich auch in den Grundrissen weiter, deren Rhythmus beim Holzbau das Achsmass von 3.35 definiert. Das Standardzimmer lässt sich verdoppeln zum Wohnzimmer oder wird halbiert zum Bad. Mit dieser Regel entwickelt der Architekt alle Wohnungen. Neben Mühethalers Strenge ist bei den übrigen Bauten auf dem ehemaligen Zollfreilager auch Platz für verspieltere Architektur. Meili Peters Aufstockung der alten Backsteinbauten greift mit doppelten Aussenräumen kühn in den Himmel. Und der Entwurf von Nahoko Hara, Zeno Vogel und Wingender/Hovenier stellt die Wände schräg zu spitzen Winkeln. Einmal gebaut, wird Mühlethalers Ruhe daneben wohl noch deutlicher zu spüren sein als in Plan und Modell.

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Kommentare

Palle Petersen 20.12.2011 07:47
.. glasklar inspiriert von Auguste Perret's Le Havre: http://www.decouvrez.fr/photos/havre-cedex-havre-auguste-perret.jpg
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Ich kann das Bild nicht lesen