Philippe Carrard in der Haupthalle der ETH Zürich. Da fanden seine grossen Ausstellungen statt. Fotos: Anne Morgenstern

Der Dirigent tritt ab

Architekturausstellung – dieses Wort gehört zu Philippe Carrard. Nach fast vierzig Jahren verlässt er die ETH Zürich. Eine Würdigung, denn nun will alles anders werden.

Eine Ausstellung in der Haupthalle der ETH Zürich, die dann an zwölf Orten in sechs Ländern zu sehen war; je ein Buch in Deutsch, Französisch und Englisch; eine Postkartenserie gab es und auch einen Film. Mit 750 000 Franken Budget war die Ausstellung zur neuen Monte-Rosa-Hütte das erfolgreichste Vorhaben von Philippe Carrard. Und das grösste und kostspieligste. Doch wichtiger ist, dass es sein über viele Jahre gereiftes Verständnis vereint hat: So will ich zeitgenössische Architektur vermitteln. Visuell stark und vielseitig inszeniert. Ein Thema setzend. Zugänglich für viele Menschen. Die ETH, das Departement Architektur, die Schule und die Forschung, die Architekten, die Ingenieure und andere Wissenschaftler, den SAC und die Bauwirtschaft zu einem Netzwerk verknüpfend.Wer mit Philippe Carrard Kaffee trinkt, wer mit ihm beruflich zu tun hat, merkt schnell sein Geschäftsgeheimnis. Er ist ein einnehmender, herzlicher Mensch, sein Charme reicht weit über seinen eigensinnigen Gebrauch der deutschen Sprache hinaus, die zwischen Dialekt und Hochdeutsch pendelt, im Ton und in der Grammatik französisch eingefärbt. Er ist ein Dirigent, kein Autor; er ist ein Ermöglicher, kein Besserwisser. Seit 1969 lebt und arbeitet er hauptsächlich in Zürich. Die Westschweiz hat seinen Lebensfaden nicht nur durch Geburt imprägniert, sondern auch mit einem epochalen Ereignis: 1964 wurde in Lausanne Expo gefeiert, und der Jüngling aus den Waadtländer Bergen begann eine Lehre als Hochbauzeichner im Atelier des Architectes Associés in Lausanne. Die Architektur, das Design, die Grafik – die heitere Moderne, die am Genfersee aufgeführt wurde – sog er wie ein Schwamm auf. Ihm gefiel die Eigenart des halbjährigen Trubels: Eine Ausstellung ist flüchtig; sie macht eine grosse Parade, wird abgebaut, und die nächste kommt. Dem Kulturwandel nach Zürich folgte bald auch ein langsamer Wechsel ...
Der Dirigent tritt ab

Architekturausstellung – dieses Wort gehört zu Philippe Carrard. Nach fast vierzig Jahren verlässt er die ETH Zürich. Eine Würdigung, denn nun will alles anders werden.

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