Rafael Moneo schickte 1980 eine Axonometrie auf die Baustelle im spanischen Mérida, wo die Arbeiter das Nationalmuseum für Römische Kunst Stein für Stein aufmauerten. © Rafael Moneo, Madrid

«Der Bauplan zeigt, was ist»

Annette Spiro und David Ganzoni haben hundert Baupläne zu einem Buch zusammengefasst und finden, auch gestandene Architekten sollten für die Baustelle zeichnen.

Der Bauplan gehört in die Werkstatt und auf die Baustelle. Sie legen ihn zwischen zwei Buchdeckel. Wie kam es dazu?David Ganzoni: Wir sammeln an der ETH seit einigen Jahren Baupläne, um die Studierenden zu inspirieren. Dieses Archiv wollten wir der Öffentlichkeit zugänglich machen. Über die Darstellung in der Architektur gibt es viele Bücher, doch der Bauplan stand nie im Fokus.Warum blieb der Bauplan denn bisher links liegen?Annette Spiro: Er ist nicht dazu gedacht, publiziert zu werden. Uns war es darum wichtig, auf den Plan als solchen zu fokussieren. Wir zeigen keine Bilder, es geht nicht um die Projekte oder die Architekten. Das Buch ist kein Nachschlagewerk. Es soll zum Nachdenken über das Handwerk des Architekten anregen und gleichzeitig die Freude an einem schönen Bauplan vermitteln.Das Buch versammelt hundert Pläne. Wie haben Sie ausgewählt?David Ganzoni: Wir versuchten, ein breites Spektrum zu zeigen. Der älteste Plan ist von 1280, der neuste von 2013. Die Massstäbe reichen von 1 : 1 bis 1 : 1000. Auch verschiedene Konstruktionen wollten wir abdecken. Die Darstellungen reichen von der Handzeichnung bis zum CNC-Skript.Annette Spiro: Gewisse Architekten wollten wir unbedingt drinhaben. Daneben durchforsteten wir das GTA-Archiv der ETH Zürich. So entdeckten wir vieles, das wir nicht kannten. Etwa den Plan des Kölner Doms – eine vier Meter grosse Ansicht der Westfassade. Wir trugen ein paar hundert Pläne zusammen; doch nicht immer war unsere Suche erfolgreich.Wollten die Architekten die Pläne nicht herausrücken?Annette Spiro: Nein, die Büros haben sich bemüht. Doch oft konnten sie die Pläne nicht auftreiben oder fanden die Originale nicht mehr. Vom Centre Pompidou wollten wir einen Plan der Installationen. Als wir nach Monaten endlich einen erhielten, waren wir enttäuscht: Er war 2012 nachgezeichnet worden. Darum ist er nun nicht im Buch. Wir wollten keine Pu...
«Der Bauplan zeigt, was ist»

Annette Spiro und David Ganzoni haben hundert Baupläne zu einem Buch zusammengefasst und finden, auch gestandene Architekten sollten für die Baustelle zeichnen.

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