Heute ein Konglomerat alter Bauten, Morgen Wohnhochhaus, Kulturhaus und Platz mit Bäumen? Fotos: Dan Cermak

Den letzten Baustein diskutieren

Sauerbruch Hutton oder Lacaton & Vassal? Abriss der Maag-Hallen oder nicht? Ein Hochparterre Themenheft zeigt das Ergebnis des SPS-Studienauftrags ‹Maaglive›. Und ein BSA-Podium stellt es zur Diskussion.

Der Prime Tower soll neue Nachbarn bekommen. Aus dem Studienauftrag der Swiss Prime Site SPS gingen zwei Sieger hervor: die Berliner Sauerbruch Hutton und die Pariser Lacaton & Vassal. Beide Projekte verdichten den Ort mit Wohnhochhäusern und werten das gelb verputzte Baudenkmal ‹Gebäude K› auf. Doch während das Büro aus Paris alle Altbauten des heute praktisch zugebauten Perimeters erhalten und ihre Wohnscheiben darüber stellen wollen, empfiehlt das Berliner Büro einen baumbestandenen Platz und ein neues ‹Kulturhaus›. Nach vielen Abklärungen, Überarbeitungen und Gesprächen entschied sich die Bauherrin dazu, Sauerbruch Hutton zu beauftragen. Gegen die Empfehlung der kompetent besetzten Fachjury – auch weil das Projekt von Lacaton & Vassal wegen Baurechtsverstössen ein längeres Verfahren mit sich bringen würde.

Die Gründe, die für und gegen beide Projekte sprechen, breitet das Themenheft ‹Der letzte Baustein› aus, das Hochparterre in Zusammenarbeit mit der SPS produziert hat. Es lässt Bauherrschaft und Jury zu Wort kommen, redet mit der Zürcher Stadtbaumeisterin Katrin Gügler, den Berliner Architekten und ihrem Zürcher Landschaftsarchitekten. Ausserdem zeigt es alle acht Projekte des Studienauftrags. Hier als E-Paper nachzulesen.

Das Projekt von Sauerbruch Hutton

Das Projekt von Lacaton & Vassal

Gegenwind
Während wir noch an diesem Heft arbeiteten, kommunizierte die SPS im Februar ihre Wahl. Unter Architektinnen und Kulturtäter braute sich Unmut zusammen. Darüber, dass die SPS erst im Juni mit Details an die Öffentlichkeit gehen wollte. Und darüber, dass sie die Maag-Hallen abreissen will, obwohl es scheinbar ein ausgewähltes Projekt gebe, dass sie stehen lässt – noch dazu ein Projekt von frisch gekürten Pritzkerpreisträgern! Das Quartier mobilisierte: Unternehmer, Kreative und Stadtteilpolitikerinnen lancierten die Initiative ‹Retten wir die Maag-Hallen›. Auf ihrer Webseite kamen bisher über 7000 Unterschriften zusammen. Alle wichtigen Schweizer Zeitungen berichteten, die Süddeutsche Zeitung titelte: «Die Abreisser». Die Initiative schaltete Anzeigen: «Liebe Swiss Prime Site AG. Bitte reissen Sie die Maag Hallen nicht ab! Geben Sie Ihrem Projekt von Lacaton Vassal eine zweite Chance.»

Die Politik übernahm: Zwei Mitglieder des Gemeinderats forderten im Mai in einem Postulat, die Sonderbauvorschriften ‹Maag-Areal Plus› zu ändern, um baurechtliche Hürden zu beseitigen, die eine Realisierung des Projekts von Lacaton & Vasall erschweren. Die Antwort des Stadtrats steht noch aus. Judit Solt schrieb Ende April im Tec 21 unter dem Titel «Retten, was zu retten ist» eine gesalzene Kritik: an den unflexiblen Sonderbauvorschriften, an der Informationspolitik der SPS, am ausgewählten Projekt und dem damit verknüpften Abriss der Hallen. Zu wichtig seien die letzten baulichen Zeugen des einstigen Industrieareals und deren heutige kulturelle Nutzung. Auf der Projektwebseite maaglive.ch zeigt die Bauherrschaft ihre Sicht der Dinge.

Situationsplan mit den Vorgaben des Studienauftrags

Endlich Diskussion
Nachdem nun das Themenheft die wichtigsten Infos zum Studienauftrag publik gemacht hat, lädt die Zürcher Ortsgruppe des Bund Schweizer Architekten zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion in der Maag-Halle. Über Planungsinstrumente und Wettbewerbsverfahren. Über die beiden Projekte und über die Zukunft des Maag-Areals.

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