Fünfzig und bei bester Gesundheit: das Globusprovisorium an der Limmat Fotos: Werner Huber

Dem Provisorium zum Fünfzigsten: Happy Birthday!

Heute vor genau fünfzig Jahren öffnete der Globus an der Zürcher Bahnhofbrücke die Türen seines von Karl Egender geplanten Provisoriums. Es steht noch immer.

Heute vor genau fünfzig Jahren, am 27. September 1961, öffnete der Globus an der Zürcher Bahnhofbrücke die Türen seines von Karl Egender geplanten Provisoriums. Eigentlich wollte das Warenhaus hier, an seinem angestammten Ort auf der ehemaligen Papierwerdinsel, einen Neubau erstellen und war dafür 1950 in ein erstes Provisorium ins Linthescher-Schulhaus am Löwenplatz gezogen. Als der alte Globus im Rahmen der Seeabflussregulierung und dem Umbau von Bahnhofbrücke und Bahnhofquai abgerissen war, kam Zürich jedoch auf den Geschmack einer «freien Limmat» ohne Bauten. 1951 nahmen die Stimmbürger die entsprechende Motion an.


Nach langen Verhandlungen tauschte Globus sein Grundstück an der Limmat gegen das städtische Linthescher-Schulhaus. Während der Bauzeit des neuen, heute noch bestehenden Warenhauses durfte er ein Provisorium am alten Standort errichten. Als dann der neue, ebenfalls von Egender projektierte Globus 1967 fertig war, merkte Zürich, dass die freie Limmat keine gute Idee gewesen war und legte fest, dass das Areal nun doch überbaut werden darf. Doch womit? Anläufe gab es einige, Wettbewerbe auch, gebaut wurde bislang nichts.


Im Erdgeschoss zog bald der Lebensmittelverein Zürich LVZ ein (heute Coop), im Obergeschoss logierte einige Jahre lang der zweite Jahreskurs der ETH-Architekturabteilung, später das Coop-Warenhaus St.Annahof und nun sitzen hier Dienstabteilungen der Stadtpolizei.


Heute feiert das Provisorium – nach einigen Sanierungen bei bester Gesundheit – seinen Fünzigsten. Happy Birthday!

Die Geschichte des Papierwerdareals

«Freie Limmat» – Fehlplanung mit Langzeitwirkung (aus dem Hochparterre-Sonderheft «Zwei Brennpunkte: Elf Projekte in Stahl und Holz für Zürich», November 2004)

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Kommentare

derk 27.09.2011 23:58
Die Frage warum das Buehnenbild Quaianlagen keine Provokationen mehr geduldet hat seit den Ausstellungen in die 50ern und die Krawallen in den 80ern beschaeftigt mir. Warum haelt Zuerich so krampfhaft fest an diesem Bild von 'Qualitaet', das aber eigentlich ein total willkuerlicher momentaufnahme ist - zozusagen stecken geblieben ende 19. Jahrhundert... Meiner Meinung nach ist die Tatsache das das Globus provisorium jetzt ihr sovieltes Geburtstag feiert das Pleite jeglicher progressivitaet in Zuerich's Stadtzentrum. Dem gewinnenden Wettbewerbsbeitrag Kunst am limmatquai haette mann realisieren muessen.... es waere die einzige nachtraegliche Rettung gewesen :)
Beat Morf 30.09.2011 00:38
Jaja, Gratulation zum Geburtstag und auch Pfui! Das schöne Panorama vom Central aus gesehen -- Amtshaus I, Amtshaus II, Du Pont Gebäude, Eckhaus am Bahnhofplatz, Hauptbahnhof, Landesmuseum -- wird seit Jahrzenten halb verdeckt und verschandelt. Zürich will eine Touristenstadt sein und die Besucher wundern sich. Das Provisorium ist ganz und gar nicht elegant, es passt zur Tramhaltestelle auf dem Bahnhofplatz. Etwas niedriges, glasiges, transparentes....oder doch ein schlankes Hochhaus, an dem man vorbeisieht....oder gebt uns das Globus-Warenhaus der 40er Jahren zurück....
Peter Furrer 15.03.2013 15:43
Ich, als geborener Stadtbürger, fühle mich einmal mehr total verarscht. Hatten wir doch vor vielen Jahren darüber abgestimmt, dass dieser Schandfleck weg muss. Nicht viel geschehen ist in all den Jahren, ausser, dass man die Saubaracke für 2 Millionen renoviert hat. Ich habe das Vertrauen in die Regierung verloren und gehe nicht mehr an die Urne, bis dieses Schandmal geräumt ist. Es wirkt jetzt, auch nach 50 Jahren, wie ein Fremdkörper für unsere schöne Stadt. Dass man unterdessen (statt die Hausaufgaben zu lösen) einen Hafenkran aufstellen will als Kunst an der schönen Limmat, hat wenigstens einen Vorteil: Er wird nicht dort bleiben. Oder bleibt er dann womöglich doch?
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Ich kann das Bild nicht lesen