Davos - das Durcheinandertal in einer Collage Fotos: Roswitha Goy

Davos, wir müssen reden!

Oft wird eher abschätzig über das «verbaute» Davos gesprochen. Das ‹Forum Bau+Kultur Davos› will das ändern. Es will die Güte des Gebauten aufzeigen und lädt zum öffentlichen Diskurs.

Im Februar vor einem Jahr erschien der Architekturführer Bauen in Davos im Verlag Hochparterre. Das kleine Buch hat viel bewegt. Viele Gäste und Einheimische entdeckten in Begleitung des handlichen Führers ihr Davos neu. Sie lernen bemerkenswerte Häuser sehen und kennen, dennoch bleibt eher abschätzig der Eindruck vom «verbauten» Davos. Darum ist es höchste Zeit, über Baukultur zu reden. Neben den Tränen der Architektur gibt es nämlich ebenso viele Perlen zu entdecken. Um den ein- und zweitheimischen Davoserinnen die faszinierenden Geschichten hinter diesen baulichen Zeitzeugen näher zu bringen, haben Jürg Grassl und Philipp Wilhelm, zwei der Autoren des Architekturführers, jetzt zusammen mit der Architektin Madlaina Sutter aus Davos Glaris das ‹Forum Bau+Kultur Davos› ins Leben gerufen. Die Veranstaltungsreihe lädt ein zur Auseinandersetzung mit der gebauten Umgebung, und bereichert so das Programm im Kulturplatz 2.0 der Kulturallianz. «Wir bieten  Gelegenheiten mit Fachleuten in Dialog zu treten, wollen aber keinesfalls bloss unter Architekten», sagt Madlaina Sutter. «Wir wollen Fragen aufwerfen und gemeinsam nach Antworten suchen, denn wie eine Stadt gebaut ist, geht all ihre Bewohner an – und jeder hat dazu etwas zu sagen!»

Wahrnehmung, Wertschätzung
Beim Bauen geht es um mehr als um subjektives Schönheitsempfinden, sagen die Drei. Die Planung und der Umgang mit unserer gebauten Umgebung haben einen grossen Einfluss auf die Entwicklung von Davos als Tourismusort, als Arbeits- und Lebensraum. Dieses Potential möchten die Architektin und die Architekten aufzeigen. Sie wollen Interesse an der reichen Davoser Geschichte wecken, für konstruktive Details begeistern, Davoser Eigenarten erklären und aufzeigen, dass Bauen auch eine wichtige soziale Aufgabe ist. Ende Oktober ist das ‹Forum Bau+Kultur Davos› mit einem Stadtspaziergang auf den Spuren des Davoser Flachdach gestartet, im November berichtet eine Stadtforscherin der Technischen Universität Wien über ihre Forschungsarbeit, im Dezember werden dank dem virtuellen Baugedächtnis bauliche Veränderungen sichtbar gemacht: Alte Ansichten sollen zu neuen Einsichten führen. So wollen die Initianten einen Diskurs über Baukultur anregen und ihr zu mehr Wahrnehmung, Wertschätzung und Wertschöpfung verhelfen. «In der Davoser Architektur schlummert durchaus touristisches Potential», freut sich Wilhelm. «Wir haben eine tolle Bergidylle. Aber wir haben auch städtisches Flair. Das macht uns einzigartig. Unsere Gäste interessieren sich für die Geschichten hinter diesem besonderen Ort.»

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Kommentare

Andreas Konrad 28.10.2020 13:11
Der Verdacht tut sich auf, als wollen ein paar Architekten die Sünden der Vergangenheit verparfumieren. Nicht die Perlen, sondern der Gesamteindruck bleibt beim Besucher haften. Fakt ist; Davos ist in der Schweiz überall. Ein buntes Durcheinander von stillosem Elend, von verblechter Agonie und trübem Standardputz, zuggebastelt mit Ortsbeton und dicken Agglofenstern. Davos muss nicht neu entdeckt, sondern neu gesehen werden. Sonst ändert sich nichts und es bleibt dabei, den « Müll schönzureden » .
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