Ein Neubau soll die reformierte Kirche in Turgi ersetzen. Foto: Reformierte Kirche

Das letzte Gebet

Die Schweizer Bevölkerung wächst, doch die grossen Glaubensgemeinschaften schrumpfen. Was wird aus den Kirchen? Drei Beispiele aus Turgi, Basel und Zürich.

Die Kirche bleibt nicht im Dorf. Das hat die reformierte Kirchgemeinde in Turgi im Aargau 2013 beschlossen. Sie will das Gotteshaus in der Nähe des Bahnhofs abreissen und eine neue Kirche kombiniert mit Alterswohnungen bauen. Der Entscheid bewegt Dorf und Medien. Das Schweizer Fernsehen hat berichtet, und ‹Die Zeit› aus Deutschland ist ins 3000-Seelen-Dorf angereist. Der Aufruhr zeigt: Die Kirche ist vielen Menschen heilig, auch wenn sie nicht mehr hingehen. Ein Gotteshaus verankert einen Ort, städtebaulich, historisch, emotional.
Die Schweiz glaubt nicht mehr wie früher siehe ‹Schwindender Glaube›, Seite 26. Vor allem bei den Reformierten brechen die Kirchgänger weg. Weniger Mitglieder bedeutet mehr leere Bänke und weniger Geld in der Kasse, da die Einnahmen der Kirchensteuer sinken. Den Kirchen fehlen die Finanzen, um die Gebäude zu sanieren und zu unterhalten. Zudem will die junge FDP die Kirchensteuer für Unternehmen abschaffen, ist vorerst aber in mehreren Kantonen gescheitert.
Was tun mit den prächtigen Gemäuern? Umnutzen? Verkaufen? Abreissen? In Holland, Deutschland oder England wurden leere Kirchen zu Turnhallen, Bibliotheken, Kulturzentren, Kinos, Restaurants oder Altersheimen umgebaut. Auch in der Schweiz erweitern Kirchen das Spektrum der Nutzungen, aus Bauten nur für Christen wurden offene Kirchen. Transformationen aber, die an die Substanz gehen, sind hierzulande bisher rar. Doch sie werden unumgänglich sein. 
Für die Schweiz hält das Immo-Monitoring 2014 von Wüest & Partner fest: «Der Bestand an sakralen Bauten und die zukünftige Nachfrage driften immer mehr auseinander.» Die Studie zählt mehr als 6000 Kapellen, Kirchen, Kathedralen und Klöster in der Schweiz, 781 davon als Kulturgüter von nationaler Bedeutung. Die Hälfte der Sakralbauten steht in Zonen für öffentliche Nutzungen, ein Viertel ausserhalb der Bauzonen. Wie viele Kirche...
Das letzte Gebet

Die Schweizer Bevölkerung wächst, doch die grossen Glaubensgemeinschaften schrumpfen. Was wird aus den Kirchen? Drei Beispiele aus Turgi, Basel und Zürich.

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