Das Lloyd's-Gebäude in London, gebaut von Richard Rogers in den Achtzigerjahren, für Hochparterre fotografiert von Simon Phipps. Fotos: Simon Phipps

Das Haus als Maschine

Mit Rossi und Venturi im Rucksack ist der Schweizer Architekt gefeit gegen modische Fehlgriffe. Aber auch immun gegen neue Techniken und Zukunftsfragen. Ein Heft und eine Veranstaltung fragen: Was wäre wenn?

Man muss sich die Jahre um 1968 als Paradies vorstellen. Der Mensch glaubte noch an die Zukunft, spann Utopien. Auch die Architekten konnte vor 50 Jahren nichts aufhalten. Fernseher warfen die Mondlandung in die Stuben. Archigram liess Städte wandern, rollen, fliegen. Das Centre Pompidou oder das Lloyd’s Building fielen in Paris und London vom Himmel. Die Technik war Quelle der Zuversicht und prägte ihren Ausdruck. Maschinen als Häuser.

Anders in der Schweiz. Nicht die Raumfahrt nährte hier den Geist der Zeit, sondern Aldo Rossi und Robert Venturi. Statt in den Himmel zu schauen, blickte man hier in die Geschichte der Stadt. Statt technische Utopien zu schmieden, zeichneten die Architekten ewige Mauern oder düsteren Alltag. Die Zukunft? War schon immer da. Dieser beharrliche Glaube an die Permanenz bewahrt die Schweizer Architektur bis heute vor modischen Fehlgriffen. Sie bremst aber auch das Beschäftigen mit neuen Themen, neuen Techniken, Zukunftsfragen. Eine Folge davon: In der A-Liga der hiesigen Architektur fasst man Solartechnik noch immer mit spitzen Fingern an. Wenn es sein muss. Sonst nicht.

Das Themenheft Solaris #02 geht in die Offensive. Es fragt: Was kommt dabei heraus, wenn Architekten unter Technik nicht nur Konstruktion und Tragwerk verstehen, sondern auch die Installationen der Gebäudetechnik? Wenn sie Photovoltaik nicht hinter Farbschichten verstecken, sondern ihre Gebäude prägen lassen? Was, wenn sie ihr Haus als Maschine verstehen? So wie eben der junge Richard Rogers in den 1980er-Jahren sein Versicherungsgebäude mitten in der Londoner City baute: das Lloyd's. Michael Eidenbenz, der über diese Ikone der Hightech-Architektur doktoriert hat, erklärt uns, warum es nicht bloss das gebaute Bild einer Maschine ist, sondern tatsächlich eine Maschine. Und eine modernere, als viele heutigen Neubauten. Denn, wie ETH-Professor Arno Schlüter ebenfalls im Heft erklärt: Unsere Gebäudetechnik steckt noch tief im 19. Jahrhundert.

Wir diskutieren diese Fragen am Freitag, dem 7. September 2018 an der Heftvernissage. Roger Boltshauser (ETH Zürich), Dieter Dietz (EPF Lausanne), Anna Jessen (Architekturwerkstatt St. Gallen) und Arno Schlüter (ETH Zürich) stellen ihre Projekte und Haltungen vor. Anschliessend diskutieren wir mit ihnen und dem Publikum.

Der Ort soll unsere Worte befruchten, darum wählten wir zwei Beispiele einer technischen Architektur vom Anfang und vom Ende des 20. Jahrhunderts: Vorträge und Diskussion finden im Maschinenlaboratorium der ETH Zürich statt, Sonneggstrasse 3, Zürich, Hörsaal ML H44 (Architekt: Otto Rudolf Salvisberg, 1930–35). Zum Apéro begeben wir uns anschliessend in die nahe Glashalle des Institutsgebäudes Clausiusstrasse der ETH Zürich (Architekten: Fosco Fosco-Oppenheim Vogt, 1986–92).

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