Die Fassade aus Aluminiumpaneelen überspielt den strengen Raster der Fenster. Fotos: Joël Tettamanti

Cristal: Nomen est omen

Die Lage des Hotels Cristal ist ideal, doch nach über dreissig Jahren war das 1979 erstellte Gebäude sanierungsbedürftig. Der knappe Platz zwang die Architekten zu einer effizienten Nutzung des Raums.

Die Lage des Hotels Cristal ist ideal, gleich beim Genfer Bahnhof Cornavin, in einer Seitenstrasse der Rue du Mont-Blanc. Doch nach über dreissig Jahren war das 1979 von Architekt Emile Beaud erstellte Gebäude sanierungsbedürftig — und zwar bis auf die «Knochen». Erhalten geblieben sind einzig die Tragstruktur, die Treppen und die Liftschächte. Als öffentliche Bereiche sind im Erdgeschoss Réception, Bar und Lobby eingerichtet, im siebten Stock liegt der neue Frühstücksraum mit Blick über die Dächer Genfs. Dazwischen gibt es pro Geschoss zwölf Zimmer. Der knappe Platz zwang die Architekten zu einer effizienten Nutzung des Raums. Die Doppelbetten in den Standardzimmern sind mit dem Kopf zur Aussenwand gestellt. Rechts und links gibt es einen geschosshohen Fensterschlitz, dazwischen fältelt sich der indirekt beleuchtete blaue Vorhang. Zwei raumhohe Spiegel lösen die Fassade von den Seitenwänden und erweitern den Raum seitlich. Der grobe Putz an den Seitenwänden erinnert an die Siebzigerjahre.
Wer im Bett liegt, blickt auf einen mehrteiligen kristallinen Körper, der — bei nächtlicher Beleuchtung in kühler LED-Technik — an eine Eisgrotte erinnert. Dieses Leuchtobjekt ist als multifunktionales Element Stauraum und Raumteiler zugleich, und aus ihm wächst der fest eingebaute Tisch. Hinter dieser Wand verbirgt sich die Sanitärzelle mit Toilette, Dusche und Lavabo. Auch diese ist multifunktional, dient sie doch gleichzeitig als Eingangsbereich des Zimmers; mit der Glastür können die Gäste die unterschiedlichen Nutzungen einstellen. Die weissen Wände und Decken, die Einbauten aus mattem Glas und die wenigen kühlen Farbakzente unterstützen die kristalline Wirkung der Zimmer im «Cristal». Dunkel ist einzig der Boden aus silbergrau schimmernden Keramikplatten.
Komplett verändert haben die Architekten auch das Äussere des Hauses. Die horizontal strukturierte Fassade aus Betonelementen hat einer fein gerasterten, vertikal betonten Fassadenhaut aus Aluminiumpaneelen Platz gemacht. Die Eloxierung in unterschiedlichen Grau-Beige-Tönen überspielt den strengen Rhythmus der Fenster. Vollflächig verglast ist das Erdgeschoss, dessen Einbauten ebenfalls kristalline Formen aufnehmen. Hier schimmern sie jedoch nicht weiss, sondern lila.

Hotel Cristal , 2011

Rue Pradier 4, Genf
– Bauherrschaft: Crige SA, Marc Fassbind
– Architektur: dl-a designlab-architecture (Patrick Devanthéry, Inès Lamunière), Genf

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