Imposante Strassenfront: Neubauten des Hotels The Chedi in Andermatt

Besuch in Andermatt

Die Planungs- und Bauarbeiten für das Andermatter Resort seien auf Kurs, gab die Andermatt Swiss Alps heute bekannt, und öffnete die Tür zum Musterzimmer im Luxushotel Chedi.

Seit letztem November stehen die Rohbauten des Luxushotels The Chedi in Andermatt. Wer aus dem Bahnhof tritt, dem werden dessen Ausmasse schlagartig klar: Übergiebelte Häuser ragen bis zu 30 Meter hoch auf – höher als die Zürcher Hochhausdefiniton von 25 Metern – und schliessen eine imposante neue Strassenfront gegenüber des Bahnhofs. Ob die mächtigen Giebelbauten verträglich sind für das bestehende Dorf, obwohl sie dessen Massstab sprengen, war heute im Schneetreiben und bei verhüllten Fassaden nicht zu beurteilen.
Samih Sawiris und die Andermatt Swiss Alps ASA hatten zur Medienkonferenz geladen und öffneten erstmals die Tür zu einem Chedi-Musterzimmer. Andernorts würden die stattlichen 52 Quadratmeter für Entrée, Bad, Bett- und Sofabereich – hinzu kommt ein breiter Balkon – zur Suitenkategorie zählen, hier gelten sie als Standardzimmer. Es soll etwa 800 Franken pro Nacht kosten (durchschnittlicher Zimmerpreis pro Nacht im Chedi: 1000 Franken). Innenarchitekt Jean Michel Gathy appliziert «Alpine Chic», womit eine üppige Fülle von Holz, Stein und Fell gemeint ist, in der das Gascheminée nicht fehlen darf – was ungefähr so wirkt, als ob eine exquisite kalifornische Mountain Lodge mit einem sogenannt asiatischem Spa gemischt worden wäre. Zu allem Überfluss prangt hinter dem Sofa wandfüllend eine barocke Szene in Schwarzweiss. Bei der Einrichtung ist das Beste gerade gut genug: Die Holzmöbel liefert die italienische Firma Flexform, die Bettwäsche konfektioniert Fischbacher, in der Minibar stehen Riedel-Gläser. Da der Winter auch im Resort die Hauptsaison ausmachen wird, ist die Stimmung winterlich, was auch zu so manchem kühlem Andermatter Sommer passen wird. Der «Alpine Chic» trifft haargenau den derzeitigen globalen Fünfsterne-Geschmack, ist aber umgekehrt so modisch, dass er in geschätzten fünfzehn Jahren komplett ersetzt werden muss.

Nicht ganz zur zelebrierten Cosiness passt die Raumhöhe – dafür ist sie eindrücklich: Stolze 3.70 Meter sind Zimmer und Korridore hoch und damit im Vergleich mit den landläufigen 2.50 Metern absolut überragend; das Erdgeschoss mit Empfang und Lobbies dürfte schätzungsweise fünf Meter hoch werden. Durchgesetzt hat diese Höhen die Chedi-Kette als künftige Betreiberin, die ein grosszügiges Raumgefühl als eines ihrer Markenzeichen sieht.
So faszinierend die geballte Exklusivität und makellose Inszenierung in der künftigen Fünfsterne-Herberge sein mögen, so stark wächst damit die Befürchtung, das Chedi könnte in Andermatt ein luxuriöses Ufo-Dorf bleiben. Zumal es rätselhaft bleibt, warum Sawiris das Resort ausgerechnet mit jenem Hotelbau startet, der vom heutigen touristischen Standard am weitesten entfernt ist. Aus architektonischer Sicht ist auch eine Chance vertan, indem ausgerechnet dieses für das Dorf so wichtige, weil grösste und zentrale Projekt ohne architektonisches Konkurrenzverfahren und von Denniston Architects in Kuala Lumpur, also Architekten ohne regionale Kenntnisse entworfen wurde.

Auf diese Kritik muss aber gleich das Lob folgen, dass die ASA eben die meisten übrigen Projekten in Wettbewerben ermittelte. 40 Architekturbüros sind bisher an den Resort-Entwürfen beteiligt. Die Chancen, dass ein baulich heterogenes und damit wenig retortenhaftes Dorf entstehen wird, das über die Zeit «gewachsen» sein könnte, stehen noch immer gut. Als nächste Knacknuss wartet auf die Planer der ASA die Frage, wie man ein Feriendorf gemütlich gestaltet, das für die nächsten paar Jahre vor allem eine Baustelle ist. Folglich will man als einzelne Etappen nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Läden, Restaurants, Hotels und öffentlichen Raum bauen, also in sich stimmige «Pakete» – was aber wiederum dicke Happen an Vorfinanzierung bedingt.

Die Quadratmeterpreise belässt Sawiris unverändert hoch, so hoch wie in besten Zürcher Stadtkreisen. Die Preise zu senken wäre das komplett falsche Signal an den Markt, der Todesstoss für das Projekt, sagte Sawiris heute sinngemäss. Wenn schon sollten die Preise steigen, auch, um die frühen Käufer für ihr Vertrauen zu belohnen. «Lieber verkaufen wir zurzeit weniger und warten auf bessere Zeiten.» Derweil sollen die hohen Preise verträglicher werden, indem ASA die Wohnungsgrössen anpasst: Statt dem bisherigen Mix mit Wohnungsgrössen bis zu 250 Quadratmetern will sie künftig vor allem 1- und 2-Zimmer-Wohnungen mit 36 bis gut 100 Quadratmetern anbieten.

Die wichtigsten heute veröffentlichten oder bestätigten Zahlen und Fakten:


– Bisher abgeschlossene Kaufverträge für CHF 134 Mio., Reservationsverträge für CHF 93 Mio., total CHF 227 Mio.
– 60 % der bisherigen Käufer aus der Schweiz (die 53% des Umsatzes brachten, dh. va. kleinere Wohnungen kauften), 20 % aus dem Mittleren Osten, je 8 % aus Deutschland und Grossbritannien
– «Dynamische Entwicklung», dh. jedes Jahr mehr Investitionen: Von CHF 50 Mio. 2009 auf CHF 115 Mio. 2012 (geplant), total CHF 345 Mio. Investitionen bisher
– Planungs- und Bauarbeiten auf Kurs: 1100 Pfähle für das Podium gebohrt und betoniert, Fundation für erste Apartment-Häuser bereit, 2012 Baubeginn erstes Apartmenthaus, erste Villa und Golf-Clubhaus, Golfplatz fast fertig
– Lage und Angebot des Sportzentrums werden im Lauf des Jahrs «optimiert»
– Das Chedi, zwei Mehrfamilienhäuser und eine Villa sollen im Dezember 2013 bezogen werden bzw in Betrieb gehen, der Golfplatz im Sommer 2014
– Ebenfalls 2013/2014 sollen die ersten neuen Bahnen im Skigebiet laufen; die Zusammenarbeit zwischen ASA, SkiStar und Bergbahnen kommt wieder voran.

Kommentare

hans fischer 19.02.2012 20:40
....zum glück sind ja viele architekten involviert....sie wollen ja unbedingt dabei sein....
werner k. rüegger 21.02.2012 12:21
Andermatt ist ja nicht Zürich, wo alles so perfekt sein muss...
Nils Donder 23.02.2012 23:12
Sawiris sollte für seine Heldentaten den Schweizer Pass erhalten. So viel visionären Pioniergeist gab es seit Alfred Escher nicht mehr!
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Ich kann das Bild nicht lesen