Der Architekt Hermann Kaufmann. Fotos: Anne Vatén

«Beim Holzbau fehlt das Knowhow»

Der auf Holzbau spezialisierte Architekt Hermann Kaufmann lobt im Interview mit Hochparterre.ch die Schweizer Holzbauingenieure und erklärt wo die Entwicklung im Holzbau hingeht.

Hermann Kaufmann leitet ein Architekturbüro im österreichischen Schwarzbach, und gehört zu den weltweit profiliertesten Architekten, die sich auf Holzbau spezialisiert haben. Die aktuelle Ausgabe von Hochparterre zeigt den Prototyp seiner aktuellen Entwicklung «Lifecycle Tower» in Dornbirn. Im Interview mit Hochparterre.ch lobt Kaufmann die Schweizer Holzbauingenieure und erklärt wo die Entwicklung im Holzbau hingeht.

Ist der Holzbauingenieur eine Schweizer Erfindung?

In Österreich haben wir Statikbüros, die gemeinsam mit uns die Konstruktionen entwerfen, die Dimensionen rechnen und vielleicht auch Verbindungsdetails entwickeln, aber jemanden, der auch noch die Werkplanung eines Holzbaus übernimmt, haben wir nicht. Wenn man das im eigenen Büro nicht kann, hat man ein Problem. Die Holzbaufirmen helfen einem zwar, doch wenn nach der Ausschreibung die Firma wechselt, beginnt das Planungsfiasko. Das haben die Schweizer schlau gelöst. Der Holzbauingenieur ist der Partner des Architekten und entwickelt mit ihm das Projekt technisch, macht es baureif.

Ist der Holzbauingenieur eine mögliche Lösung, um den Holzbau in die Breite zu bringen?
Ja, nicht umsonst entsteht in der Schweiz ein großes Holzgebäude nach dem anderen. Es beginnt jetzt richtig zu laufen, habe ich den Eindruck, vor allem in Zürich. Das kommt auch aus der Struktur heraus. Die Architekten wissen wo sie die Informationen herbekommen, betreten nicht mehr komplettes Neuland.

Gilt das nur für den grossen Massstab? Sechs Geschosse und mehr?
Auch im kleineren Massstab fehlt beim Holzbau das Knowhow. Da passiert auch in der Ausbildung nicht viel. Die anderen Baustoffe haben weniger Probleme. Vor allem haben sie eine bessere Informationsstrategie, weil eine Industrie dahintersteht. Beim Holz nicht. Die dortige Rohstoffindustrie, der Forst, interessiert sich nicht fürs Bauen.

Um den Holzbau weiter zu bringen – ist die Entwicklung von Systemen wichtiger als das individuelle Experiment?
Der Holzbau ist immer schon in zwei Richtungen gegangen: Das eine sind spezielle Projekte, wie das Tamedia-Gebäude. Was steckt im Material? Was in den neuen Maschinen? Aber es gibt auch die breite Masse, Architektur, die wir unter strengen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickeln müssen. Da geht es um Systematik. Wenn ein unerfahrener Architekt mit Holz bauen will, kommt er in ein dunkles Tal mit lauter kleinen Lichtpunkten: Der hat ein tolles Produkt und der hat ein anderes tolles Produkt. Sich da zurechtzufinden ist schwierig. Hier ist der Holzbauingenieur eine grosse Hilfe. 

Kommentare

Sonja 22.01.2013 13:59
Viel. isch das interessant für di :-)
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Ich kann das Bild nicht lesen