Baukultur im Paragrafenwald

An der gestrigen Konferenz ‹Die Planung beim Bauen› erläuterten zwei Anwälte, ein Architekt, ein Bauingenieur, ein Raumplaner und ein Versicherer die «juristischen Fallstricke» des Bauens. Die steigende Zahl der Gesetze, Spezialisten und Berater führt zu immer mehr Schnittstellen mit immer mehr Verträgen und Versicherungen. Die Bürokratisierung der Baukultur scheint unaufhaltbar und Planer sollten sich damit befassen. Denn nur wer das komplexe Umfeld kennt und eine offene Fehlerkultur lebt, kann sich auf das Wesentliche seiner Arbeit konzentrieren: Das Schaffen von Baukultur für Anleger, Nutzer und Gesellschaft.

«Man mag immerhin Fehler begehen – bauen darf man keine.» Mit diesem Zitat von Goethe eröffnete Oliver Rappold, Fachanwalt für Bau- und Immobilienrecht, die gestrigen Konferenz ‹Die Planung beim Bauen› im Business Center Balsberg. Schon der Titel der Veranstaltung der ‹Academy for Best Execution› machte klar: Bauen war hier keine rein architektonische Frage, nicht autonom entstehende Baukultur. Im wachsenden Feld von Fachplanern und Beratern ist Architektur nur ein Teil der Planung und diese nur ein Teil des Bauens. Für Juristen lautet der Dreiklang nicht Städtebau, Architektur und Konstruktion, sondern Baurecht, Normen und Vertragswerk. Hier lag denn auch das erklärte Ziel der Konferenz: Information über und Diskussion von «Grundlagen, Herausforderungen und (juristischen) Fallstricken».Rappold eröffnete mit dem «wunderbaren» Beispiel des Berliner Flughafens und konterkarierte umgehend das Goethe-Zitat: Planungsfehler seien unvermeidbar, doch so weit wie in Berlin müsse es nicht kommen. Wer früh und sauber den Prozess plane, könne Fehler vermeiden und falls sie doch entstünden, besser damit umgehen. Anschliessend folgte ein bunter Strauss von Planungsperspektiven.Der Raumentwickler: Beat Suter von Metron erläuterte das Gebot der Stunde, die viel beschworene «Siedlungsentwicklung nach innen». Die grössten Herausforderungen und Chancen sieht er in den Agglomerationsräumen. Diese seien in den «Wechseljahren», irgendwo zwischen den «halbwüchsigen» Siedlungsräumen des Einfamilienhaus-Meeres und der «gereiften» Stadt mit geschlossener Bauweise. Das Bauen der Zukunft finde zunehmend im Bestand statt und bedürfe daher kooperativer Planung. Diese gelinge nur mit gemeinsamen Zielen, die gefunden, formuliert und verbindlich festgehalten werden müssten. Suter: «Das braucht Zeit und Geduld.»Der Versicherer: Bernhard Odermatt von der Schweizerischen Mobiliar...
Baukultur im Paragrafenwald

An der gestrigen Konferenz ‹Die Planung beim Bauen› erläuterten zwei Anwälte, ein Architekt, ein Bauingenieur, ein Raumplaner und ein Versicherer die «juristischen Fallstricke» des Bauens. Die steigende Zahl der Gesetze, Spezialisten und Berater führt zu immer mehr Schnittstellen mit immer mehr Verträgen und Versicherungen. Die Bürokratisierung der Baukultur scheint unaufhaltbar und Planer sollten sich damit befassen. Denn nur wer das komplexe Umfeld kennt und eine offene Fehlerkultur lebt, kann sich auf das Wesentliche seiner Arbeit konzentrieren: Das Schaffen von Baukultur für Anleger, Nutzer und Gesellschaft.

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