Klein-Werner 1981 mit Vater und Mutter im Buffet des Hauptbahnhofs Zürich.

Bahnhof im Buch

Grosser Bahnhof im Bahnhof: Hochparterre-Redaktor Werner Huber stellte sein Buch über den Zürcher Hauptbahnhof vor.

Wie jeder Hochparterri ist auch Werner Huber ein Zehnkämpfer im journalistischen Alltag. Und wie jeder hat er Passionen. Seine heissen: Architekturgeschichte, Moskau & Warschau und Bahnhof. Zu Berns Bahnhof schrieb er ein Buch und nun als Opus Magnum das erste, umfassende Buch der Architekturgeschichte zum wichtigsten Bahnhof der Schweiz, zu Zürichs HB, der auch der grösste Bahnhof Europas ist. Mit grossem Bahnhof haben Huber und sein Herausgeber Ruedi Weidmann im Bahnhof das Buch vorgestellt: man hörte Geleitworten von André Odermatt, Zürichs Baustadtrat; man sah fast alle, die in der Architektur der Eisenbahn etwas zu sagen haben oder hatten und man hörte Hubers Bildbiografie der Bahnhöfe, sah zum Beispiel, wie Klein-Werner mit Vater und Mutter im Buffet des HB speisen. Und man speiste und trank nachher selber reichlich, denn was heutzutag als «Apero Riche» angekündigt wird, gibt ja ein ausgewachsenes Nachtessen.

Werner Huber stellt Zürich HB in drei Kapiteln vor: Die ersten hundert Jahre ab 1830 heissen «Vom Anfang zur Blüte», die zweiten dreissig Jahre vom Zweiten Weltkrieg bis Mitte der Siebzigerjahre «Planen, ohne zu bauen» und das dritte Kapitel schliesslich «Die Renaissance der Bahn». Die drei Titel fassen die Ambition des Autors zusammen: Architektur ist eine gesellschaftliche Angelegenheit; ohne Wissen über Druck- und Zug von Land-, Stadt- , aber auch Technikgeschichte bleibt sie unverständlich. Huber ist Hochparterres Redaktor mit dem weitaus grössten Archiv seiner drei Passionen Architekturgeschichte, Moskau & Warschau und Eisenbahn, und legt im Buch seine Schätze aus – Postkarten und Fotografien, die er seit 40 Jahren macht – und er ergänzt sie mit reichen Funden aus den städtischen und SBB-Archiven.

Gesellschaft ist das eine, das Metier das andere. Huber ist nicht allein Historiker, er ist Architekt; er hat gelernt, dass das erste Medium einen Bau zu begreifen, der Plan ist. Also hat er wie schon bei seinem jüngst erschienen Buch über die Bahnhofstrasse in grosser, leidenschaftlicher Zeichenarbeit Pläne gezeichnet und Pläne aus unterschiedlichen Epochen vereinheitlicht. Das ermöglicht eine vielfältige und präzise Lektüre der Baugeschichte. Kein Wunder hat dieses Können Benedikt Loderer, auch er ein passionierter Architekturhistoriker, an der Vernissage zu grossen Worten verführt: «Huber ist der erste, der ein Geschichtsbuch aus den Plänen heraus entwickelt. Keiner schaut so präzise wie er, jeder die Bauten in Wortnebel einhüllende Kunsthistoriker muss sich ein Beispiel am Plankönner Huber nehmen. Ich werde dafür reden, dass er für seine die Augen öffnende Methode einen Dr. h.c  sc.techn ETH erhält!» 

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