Als die Dächer des Güterbahnhofs abgerissen wurden: Filmstill aus «Nemesis»

Architekturfilme streamen! VOD-Premiere ‹Nemesis›

Ein filmisches Dokument städtebaulicher Verwandlung: ab heute ist ‹Nemesis› von Thomas Imbach exklusiv als VOD-Premiere auf Hochparterres Streaming-Plattform zu sehen.

Ein ganzer Film gedreht von nur einem Fenster aus? Was sich nach erzwungener Beschränkung anhört, entpuppt sich in Thomas Imbachs Film «Nemesis» als formaler Ankerpunkt einer weit ausschweifenden Reflexion, die in einem faszinierenden Amalgam aus Bildern und Tönen seine ästhetische Entsprechung findet. Anlass des Werks ist der Abriss des Zürcher Güterbahhofs, genauer: sein gänzliches Verschwinden zugunsten eines Neubaus von erdrückenden Dimensionen – dem Polizei- und Justizzentrum mit 2030 Arbeits- und 241 Haftplätzen, gemäss kantonalen Angaben ein «Kompetenzzentrum für die Bekämpfung der Kriminalität».
 

Der Trailer zum Film

Imbachs Blick aus dem Fenster ist ein persönlicher, denn das Fenster ist das seiner eigenen Wohnung, und als feststand, dass der Güterbahnhof zerstört werden sollte, konnte der Filmemacher nicht anders, als die Kamera aus dem Schrank zu holen und festzuhalten, wie seine Nachbarschaft auf Nimmerwiedersehen verschwindet – für Imbach ein «Akt des architektonischen Vandalismus».

Imbachs Blick aus dem Fenster ist aber auch ein freier, offener Blick. Der Film ist  mehr als eine blosse Anklage, er weitet sich zu einem Essay über das Vergehen der Zeit, über Abschied und Tod. Und er macht die gesellschaftlichen Brennpunkte sichtbar, die  hinter dem scheinbar lokalen Phänomen des abgerissenen Güterbahnhofs stecken: Arbeit, Migration, Ausschaffungshaft. 

Der Film ist bei aller Ernsthaftigkeit des Engagement auch poetisch, liebevoll, sogar komisch: Bagger und andere Baumaschinen muten dank Zeitraffer und Sounddesign an, als seien sie aus dem Universum Jacques Tatis entflohen, und weil Imbach nicht nur Abbruch und Neubau, sondern auch die langen Monate der Zwischennutzung und der Brache dokumentiert, gelingen ihm so kuriose wie feinfühlige Beobachtungen städtischen Alltagslebens.

Mit «Nemesis» gewann Thomas Imbach den Zürcher Filmpreis 2020 für den besten Dokumentarfilm. Seit heute ist der Film auf der Streaming-Platform von Hochparterre zu sehen – nicht verpassen!

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