Diskutierten über das Architekturbuch: Andri Gerber, Alexander Lehnerer, Veronika Darius und Tibor Joanelly (v.l.).

Architekturbuch: gestern, heute und morgen

In der Bibliothek von Werner Oechslin diskutierten Buchspezialisten und -liebhaber über die Zukunft des Architekturbuches. Der Tenor: Das elektronische Buch kann das gedruckte nicht ersetzen.

Im Rahmen der Ausstellung «Book for Architects» der ETH Zürich diskutierten am Samstag 31. Oktober sechs Buchspezialisten und -liebhaber über die Vergangenheit und Zukunft des Architekturbuches. Der Ort war gut gewählt: Die Diskussion unter der Leitung von Andri Gerber fand in Werner Oechslins barocker Architekturtheorie-Bibliothek in Einsiedeln statt. Vorweg: Es war eine heitere Diskussion unter Gleichgesinnten – keiner der Gäste wagte an der Kraft des gedruckten Buches zu zweifeln. Nur einen kurzen Moment der Provokation gab es, nämlich als Markus Joachim, Leiter der ETH-Bibliothek auf dem Campus Hönggerberg, die interaktive Graphic Novel «CIA: Operation Ajax» als spannende Weiterentwicklung eines Buches präsentierte. Sofort verteidigte der Verleger Lars Müller das Revier der Druckerschwärze, indem er eine App nicht als Buch verstanden wissen wollte. Die gestalterischen Limiten des elektronischen Buches bildeten hingegen einen breiten Konsens: Alle Gesprächsteilnehmer vertrauen auf die physischen Qualitäten eines Buches – nie könne ein elektronisches Buch sie erreichen, so der Tenor. Selbstkritik gab es aber auch: Einig waren sich die Teilnehmer etwa, dass Architekturbücher klar ein Minderheitenprogramm seien und dass sich die Branche mit der Flut der Büro- und Hausmonographien selbst verstümmeln würde. Lars Müller empfiehlt daher allen buchlustigen Architekten, die auf seinen Verlag zukommmen, die klassische Werkdokumentation ins Netz zu stellen und mit Büchern nur auf thematische Fragen zu antworten. ETH-Architekturprofessorin Annette Spiro schlug in die selbe Kerbe: Die Autorin und Buchliebhaberin wünschte sich mehr Bücher, die nicht immer alles bis ins Detail zeigten. Sie wolle von einem Buch zum Denken angeregt werden, so Spiro. Tibor Joanelly, Redaktor bei werk, bauen+wohnen, sprach vom Druck, den die Flut von kostenlosen Online-Nachrichten auf ge...
Architekturbuch: gestern, heute und morgen

In der Bibliothek von Werner Oechslin diskutierten Buchspezialisten und -liebhaber über die Zukunft des Architekturbuches. Der Tenor: Das elektronische Buch kann das gedruckte nicht ersetzen.

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