Mit dieser «begehbaren Raum-in-Raum-Installation» gewannen CKÖ den Swiss Art Award in der Kategorie Architektur. Fotos: Guadalupe Ruiz

Architektur, nicht Kunst!

Ob beim Swiss Art Awards oder der Architekturbiennale: Wenn der Bund Architektur fördert, fliesst das Geld und die Aufmerksamkeit meist in die Kunst. Doch Architektur ist zu wichtig, um hinter der Kunst vergessen zu gehen.

Architektur hat gegenüber der Kunst keine Chance. Kunst ist frei, inspirierend, sexy. Architektur ist nützlich, dauerhaft, Hintergrund. Wen wundert’s also, wenn Architekten sich der Kunst zuwenden auf der Suche nach etwas Bauchkribbeln? Sollen sie! Anders sieht es aus, wenn die dringend nötige Förderung und Vermittlung von Architektur zur Förderung und Vermittlung von Kunst wird.
Schauplatz Venedig: Pro Helvetia schickt an die derzeit laufende Architekturbiennale mit Hans Ulrich Obrist einen weltberühmten Kunstkuratoren. Doch statt uns den hochspannenden Lucius Burckhardt näher zu bringen, holt Obrist viele weitere Kuratoren, Künstler, Architekten und reichert alles so lange an, bis von Architektur und Gesellschaft nichts mehr übrig ist. Nur noch Kunst. (Im Hochparterre 8/2014 werden wir darüber berichten.)
Schauplatz Basel: Das Bundesamt für Kultur präsentiert wie jedes Jahr die Preisträger des Swiss Art Award. Ab diesem Jahr sind es nur noch 10 statt 20 Preisträger (je 25'000 Franken), dafür bekommen alle 50 Teilnehmer der zweiten Runde eine höhere Geldsumme (5000 Franken), um ihre Installation an der Ausstellung umzusetzen, darunter auch 4 Architekturteams.
Wie jedes Jahr gilt auch für die Architekten: Pläne an die Wand hängen, reicht nicht! Hanna Kronstrand versucht ihr minimales Sommerhaus in Schweden mit Kreide an Wand und Boden zu vergegenwärtigen, Sascha Rösler zeigt seine Forschungen zu den Tabakscheunen Sumatras mit einem Bronzemodell, bei LLAC Architectes aus Lausanne entdeckt der neugierige Betrachter in der Rückwand ihrer Treppeninstallation ein städtebauliches Modell und ist ratlos. Das der diesjährige Kunstpreis in der Kategorie Architektur an das Zürcher Team CKÖ geht, ist nur konsequent. Die drei Partner haben zwar Architektur studiert, machen aber seit zwei Jahren begehbare Installationen in alten Häusern oder Ausstellungen, also Kunst. (Wir schrieben über ihre letzte Ausstellung.)
Die Ausstellung der Swiss Art Awarts läuft wie immer parallel zur Art Basel in einer Messehalle. Auch die Architekten Viktoria Easton, Susann Vécsey und Christoph Schmidt sind dort zu sehen – nicht als Ausstellende, sondern als Entwerfer der Ausstellungsarchitektur. Ihre weissen Wandkörper schaffen einen angenehmen und zurückhaltenden Rahmen, werden den Werken, den Besuchern und der Halle gerecht: Sie machen Architektur.
Was ist wichtiger für eine Gesellschaft: gute Künstler und Kunstsammler oder gute Architekten und Bauherren? Es wird Zeit, dass der Bund seiner Aufgabe endlich nachkommt und mit unserem Geld nicht nur Kunst von Architekten fördert, sondern auch Architektur! 

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