Das «Ferienhaus für Terroristen» steht als 1:1-Modell in der Ausstellung. Fotos: PD, © Pro Litteris, Zürich

Architektur der Ambivalenz

Das Kunstmuseum Luzern zeigt Architekturmodelle des deutschen Künstlers Thomas Schütte.

Architekten sind verrückt nach Modellen, besonders seit sie den ganzen Tag in den Bildschirm starren. Peter Zumthor hat seine Arbeitsmodelle bereits zur Kunst erhoben und zeigt sie im Kunstmuseum Bregenz. Den umgekehrten Weg geht der renommierte deutsche Künstler Thomas Schütte, dessen Skulpturen die Fondation Beyeler derzeit in Basel wunderbar zeigt. Schütte fertigt seit dreissig Jahren Architekturmodelle an – als Kunst. Nun widmet ihm das Kunstmuseum Luzern eine faszinierende Ausstellung. Der Künstler arbeitet in allen möglichen Massstäben, von 1:100 bis 1:1. Sein »Ferienhaus für Terroristen» macht den Auftakt der Schau, in Echtgrösse. Der Titel zeigt die subtile Ambivalenz, die in Schüttes Werken liegt. Nichts ist nur so, wie es scheint. Das Haus blieb aber nicht im Modell, es wurde in Österreich gebaut, nicht für einen Terroristen, sondern einen Galeristen. Die meisten der ausgestellten Modelle haben den Sprung in die Realität geschafft, oder dieser ist geplant. In der Nähe von Düsseldorf, wo Schütte lebt, plant er gar eine Skulpturenhalle für die eigene Kunst. Doch der Künstler sieht sich nicht als Architekt und möchte sich auch nicht in die architektonische Debatte einmischen. «Ich kenne mich nicht gut aus mit Architektur», betont er. Die Modelle seien sein Hobby. Bei der Umsetzung zieht er Fachleute bei. Denn ihn interessiert nicht die Funktion eines Gebäudes, sondern seine Wirkung. Schüttes Bauten sind Archetypen, Urformen, welche die Grundfragen der menschlichen Behausung ergründen. Solche Fragen interessieren auch Peter Zumthor. Die beiden treffen sich darum am 22. Januar 2014 in der Ausstellung zu einem Gespräch....
Architektur der Ambivalenz

Das Kunstmuseum Luzern zeigt Architekturmodelle des deutschen Künstlers Thomas Schütte.

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