Bescheidenheit ist eine Zier, wissen die Jungen und verstehen sich aufs Understatement. Die Ansprüche an die eigene Architektur könnten aber kaum höher sein, wie die Rotterdamer Monadnock mit ihrer Bühneninstallation deutlich machen (2010).

Anspruchsvolle Randfiguren

Junge westeuropäische Architekturbüros diskutierten in München ihr Selbstverständnis und ihre eigenen Werke. Eine Analyse von Gesagtem und Gebautem.

Gespannt warten gut 150 Leute, die meisten Mitte dreissig, im «Vorhoelzer Forum» auf dem Dach der TU München. Gleich wird das Symposium «Was geht und wo?» beginnen. Von der Terrasse aus fällt der Blick auf die von Leo von Klenze 1836 erbaute und von Hans Döllgast nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruierte Alte Pinakothek. Ausgewählt und eingeladen vom Münchner Florian Fischer haben sich Architektinnen und Architekten aus 24 jungen europäischen Büros versammelt, um an diesem ehrwürdigen Ort zu diskutieren. Schon in den ersten Minuten erinnert eine Teilnehmerin an die legendäre Bootsfahrt von Marseilles nach Athen im Jahr 1933. An Bord der «Patris» wurde damals, am vierten Congrès International d’Architecture Moderne (CIAM), die berühmte Charta beschlossen, die Geburtsurkunde des städtebaulichen Funktionalismus. Dieser ist längst überholt, seine Erfolgsgeschichte aber unübertroffen, und so schwingt der Nimbus dieser Überfahrt noch immer mit, wenn sich Architekten treffen.Wird nun in München die nächste Tendenza geboren? Die Antwort gleich vorweg: wohl kaum. Zwar ist die Auswahl der Eingeladenen durchdacht, aber die Versammelten scheinen zu unpolitisch für eine gemeinsame Haltung oder gar Ideologie. Dennoch lassen sich die Rollen der Anwesenden zusammenfassen — sie sind «anspruchsvolle Randfiguren», die vieles verbindet: die Beschäftigung mit der Architekturgeschichte, das Interesse an Urbanität, die Präzision und die Einfachheit, die Sorgsamkeit, der Realismus und das Understatement.Architekturgeschichte Die Teilnehmer des Symposiums sind nicht bloss Architekten. Sie unterrichten und schreiben an Doktorarbeiten oder in Architekturmagazinen. Ihr theoretisches Interesse gilt allen Epochen der Architekturgeschichte, es gilt Monumenten ebenso wie alltäglichen Bauten. Namen wie Palladio und Schinkel, Loos und Le Corbusier, Diener und Zumthor tauchen auf....
Anspruchsvolle Randfiguren

Junge westeuropäische Architekturbüros diskutierten in München ihr Selbstverständnis und ihre eigenen Werke. Eine Analyse von Gesagtem und Gebautem.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?