Marloes Fischer, Geschäftsführerin Madaster Schweiz, im Kreise ihrer «Kennedys». Fotos: Madaster

Achterbahn und Mondfahrt

Die Online-Plattform Madaster hebt ab. Was in Holland schon etabliert ist, soll nun auch in der Schweiz helfen, Baustoffe mehrfach zu verwenden. Potente Partner helfen dabei.

Die gesamte Wertschöpfungskette beim Bauen müsse überdacht werden, sagte Thomas Rau Ende Oktober bei der Empa in Dübendorf. «Das System ist am Ende.» Und er kündigte den Start dieses Endes an: Die von Rau erdachte Online-Plattform Madaster soll in die Schweiz kommen. In ihrer Heimat, den Niederlanden, ist dieses digitale Register für Baustoffe schon etabliert: Eigentümer geben dort an, wieviel Holz, Stahl, Glas oder Beton in ihrem Gebäude steckt. Madaster gibt zurück, was bei einem späteren Abbruch wiederverwendet werden kann und wieviel diese Baustoffe wert sind. Das Haus als Mine.

Anfang März im Hauptquartier der Swiss Re in Zürich. Es würde zwar passen, doch das grüngelbe Holz an der Wand des Auditoriums sind keine wiederverwerteten Betonschalungstafeln, sondern bemalt vom Künstler Helmut Federle. Die Geschäftsführerin von Madaster Schweiz, Marloes Fischer, steht davor und stellt mit viel Verve die ersten fünf Partnerfirmen vor, die an der hiesigen Etablierung von Madaster mitwirken. Es sind Schwergewichte: Swiss Re und Eberhard Unternehmungen, Swiss Prime Site und Losinger Marazzi sowie Raiffeisen.

«Material eine Identität geben!» Fischer erklärt die Haltung hinter der Plattform und zeigt Gebäude, die in den Niederlanden bereits gebaut wurden, zum Beispiel ein Dach aus ausrangierten Achterbahnschienen, was aber anders aussieht als es klingt. Anschliessend bekräftigen alle Partner auf dem Podium ihren Willen dabei zu sein: der Rückversicherer, der Werstoffsammler, der Immobilienhändler, der Bauunternehmer und der Banker – die ganze Wertschöpfungskette, die es gilt zu überdenken, sagt: Ja, wir wollen! Wir müssen! «Unsere Kennedys» nennt sie Fischer. Kennedys? Ja, nach dem US-Präsidenten, der 1962 verkündete: Wir werden zum Mond fliegen! «Er wusste nicht, wie, wann und was es kosten würde. Aber er wusste: Wir werden es tun.» Eine Ansage. So zu lesen auf der Webseite von Madaster.

Fischer ist noch nicht am Ziel. Sie möchte, wie in den Niederlanden auch, 33 Kennedys finden. Diese unterstützen mit Geld, und können ihre Gebäude auf der Schweizer Plattform exklusiv eintragen und damit werben. Anfang 2020 soll sie dann für alle zugänglich sein.

 

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