Hörsaalgebäude des in den 1960er- und 1970er-Jahren im Marburger System errichteten Campus Lahnberge in Marburg. Fotos: commons.wikimedia.org (Nikanos)

Abgerissen, bedroht, gerettet

Die architektonische Nachkriegsmoderne ist bedroht, in der Schweiz ebenso wie in Deutschland. frei04 publizistik leisten nun ihren Beitrag im Kampf um Baukultur und verfolgen zukünftig wichtige Bauten und Ensembles.

Das Marburger Bausystem ist ein Stück Nachkriegsgeschichte. Aufgrund sprunghaft steigender Studentenzahlen errichtete man ab 1961 in Marburg auf den Lahnbergen mehrere naturwissenschaftliche Hochschulbauten. Das ‹Universitätsneubauamt› mit Architekten wie Kurt Schneider, Helmut Spieker und Günter Niedner entwickelte hierfür ein flexibles Fertigteilkonzept, das auf dem gerasterten Modulmass von 60 x 60 Zentimetern basiert. Trägerbalken auf vierteiligen Pendelstützen, ausgefacht mit Metall- oder Kunststoffelementen, umgeben von umlaufenden Fluchtbalkonen. Das System machte Schule und beeinflusste Universitätsbauten von Hamburg bis Dortmund.
Wie frei04 publizistik in ihrer Rubrik zur Nachkriegsmoderne festhalten, sind die meisten der Universitätsgebäude in Marburg durch einen neuen Masterplan vor dem Abriss bedroht. Die Rubrik stellt noch weitere Brennpunkte in der Bundesrepublik Deutschland vor und unterteilt diese in die Kategorien bedroht, gerettet und abgerissen. Sie ist ein Baustein in der intensiven Debatte über die vermeintlich energieverschwenderischen und in der Bevölkerung als hässlich geltenden Bauten aus der Nachkriegszeit. Das Problem ist akut, auch in der Schweiz: Unsere Kollegen von ‹werk, bauen+wohnen› haben ihm die Ausgabe ‹Junge Denkmäler› gewidmet, der Schweizer Heimatschutz publizierte erst vor Kurzem das Buch ‹Die schönsten Bauten 1960-75› und veranstaltet am 20. Mai die Tagung ‹Aufbruch, Abbruch, Umbruch?› und der BSA-boykottiert einen Wettbewerb in Luzern, dem die Zentralbibliothek von Otto Dreyer zum Opfer fallen soll. Bewunderer der Nachkriegsarchitektur aller Länder...

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