Bauen in Indien: «Die Ästhetik steckt im Kleinen»

Daniel Haselsberger untersucht die gesellschaftliche Akzeptanz regenerativer Baumaterialien. Der Bau einer Schule in Indien wird dabei zum Praxistest.

Fotos: Daniel Haselsberger

Daniel Haselsberger untersucht die gesellschaftliche Akzeptanz regenerativer Baumaterialien. Der Bau einer Schule in Indien wird dabei zum Praxistest.

Wie sieht eine Architektur aus, die nicht wirtschaftliches Wachstum, sondern ein gutes Leben und soziale Gerechtigkeit zum Ziel hat? Diese Frage bewog meine Partnerin Isha und mich, einen etwas anderen Werdegang einzuschlagen. Kurz nach Abschluss unseres Architekturstudiums gründeten wir 2020 den gemeinnützigen Verein Arch Aid. Wir hinterfragten den Bedarf weiterer Neubauten in der Schweiz und nahmen aufgrund von Ishas Herkunft gleichzeitig einen hohen Bedarf für klimaresistente und sichere Bauten in Indien wahr.  Wir hatten genug davon, uns mit Luxusproblemen auseinanderzusetzen. Stattdessen wollten wir einen Beitrag leisten, um die Lebensbedingungen benachteiligter Menschen in Indien durch die Erstellung baulicher Infrastrukturen ein kleines Stück zu verbessern. Anfangs betrachteten wir unsere Tätigkeit als einen eher einseitigen Prozess, einen Wissens- und Geldtransfer von der Schweiz nach Indien. ###Media_5### Durch den Gebrauch regenerativer und lokaler Baumaterialien wie Lehm, Bambus, Holz und Stroh versuchten wir die regionale Wertschöpfung zu fördern, statt eine international agierende Stahl- und Zementindustrie zu unterstützen. Dabei stellten wir fest, dass sich auch die Menschen in einem abgelegenen indischen Dorf an urbanen Bau- und Lebensweisen orientieren: «Dort, wo ihr herkommt, sind die Häuser und Strassen auch nicht aus Lehm gebaut, oder?», konfrontierte uns ein Dorfbewohner. Das Dorf schaut, wie in der nächstgelegenen Stadt gebaut wird, dieses blickt auf die Grossstädte Delhi oder Mumbai, und diese wiederum nehmen sich Dubai, London oder New York zum Vorbild.  Bautraditionen stehen unter Klimadruck In Bahuarwa, wo wir eine Schule gebaut haben, haben nur wenige Haushalte eine Toilette, aber fast jede erwachsene Person besitzt ein Mobiltelefon. Es gibt keine funktionierende öffentliche Schule, dafür aber superschnelles Internet. So werden urba...

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