Redaktor Axel Simon findet es sinnvoll, den Unterschied zwischen Elefantengrau und Mausgrau zu kennen.
Die neuen Wohnhochhäuser der Stadt Zürich sind einförmig, trist und unlustig. Woher kommt bloss diese neue Trostlosigkeit in Grau? Ein Kommentar von Axel Simon.
Neulich hat mich ein Journalist per E-Mail um meine Expertenmeinung gefragt: «Ich recherchiere zu der sehr verbreiteten Bauform Flachdach, viereckig, in gedeckten Farben, oft gräulich. Wie wird diese Vereinheitlichung in Fachkreisen diskutiert?» Ich antwortete: gar nicht. Denn diese ideenlosen Bauten hätten weder eine anspruchsvolle Bauherrschaft, noch brauche es dafür Architektinnen. Es gehe dort ausschliesslich um Rendite. Als ich danach am Escher-Wyss-Platz vorbeiging, kamen mir Zweifel. Die zwei Hochhäuser, die dort hinter dem Tramdepot in den Himmel schiessen, sind viereckig und tragen Grautöne.
Die Bauherrschaft (Stadt Zürich) ist ebenso hochrangig wie das Architekturbüro (Morger Partner). Im Jurybericht lese ich von der überzeugenden Einfügung in den städtischen Kontext, auf der Bürowebsite von «kontextueller Arbeitsweise» und einem «suggestiv poetischen Moment». Ich sehe: ein hohes Stapeln über 20 Geschosse und ein Reihen der immergleichen Betonrahmen. 193 Wohnungen, durchgerastert. Kommentatoren auf Reddit assoziieren mit den «grey, cold slabs» der beiden Hochhäuser wahlweise die 1960er-Jahre in der Sowjetunion oder die Siebziger in Jugoslawien. Zürcher Architekturschaffende würden das lieben, schreiben sie. Wahrscheinlich, so denke ich mir, weil es sie an die eigenen Neunzigerjahre erinnert, an ihre Swiss-Box-Anfänge als Architekten. Von wegen gelassen Ausserdem: Grau ist die Farbe unserer Zeit. Meghan Markle trinkt «Lavender-grey lattes» auf Netflix, und selbst das grimmigste SUV ist heute warmgrau lackiert. Die Nichtfarbe hatte schon mal ein schlechteres Image, sollte man meinen. Doch wenn es um die gebaute Umwelt geht, steht sie ausserhalb der Fachblase noch immer für das schlimmste Übel. Auch zehn Velominuten nördlich vom Escher-Wyss-Platz. Dort wird die Wohnsiedlung Letzibach D gerade fertig gebaut, ebenfalls von der Stadt Zürich. 265 Wohnun...
Au revoir, Tristesse
Die neuen Wohnhochhäuser der Stadt Zürich sind einförmig, trist und unlustig. Woher kommt bloss diese neue Trostlosigkeit in Grau? Ein Kommentar von Axel Simon.
30.09.2025 08:00