Architektur, wie sie eben noch war

Vor 25 Jahren produzierten Hochparterre und die SRG eine Dokumentarserie über Schweizer Architekturbüros. Erkenntnisse nach einer Reise in die jüngste Vergangenheit.

Vor 25 Jahren produzierten Hochparterre und die SRG eine Dokumentarserie über Schweizer Architekturbüros. Erkenntnisse nach einer Reise in die jüngste Vergangenheit.

Wie lange muss etwas zurückliegen, um vergangen zu sein? In der Geschichtswissenschaft gilt das Denken in Epochen als veraltet. Historische Zäsuren, erklärt uns Academia, sind wahlweise hegemoniale Konstrukte oder eurozentristische Narrative. Im Alltag aber lebt eine Art von subjektiver Epochenempfindung weiter. Sie schlägt sich nicht zuletzt auch im wissenschaftlichen und kulturellen Betrieb nieder: Meist vergehen, dem Zeitraum einer Generation entsprechend, 25 oder 30 Jahre, bis ein Phänomen unter frischem Blickwinkel gewürdigt, historisch erforscht oder künstlerisch wieder fruchtbar gemacht wird. Die Architektur allerdings verhält sich in dieser Beziehung seltsam retardierend. Während die Populärkultur heute den 1990er- und 2000er-Jahren frönt (die Modestichworte sind ‹baggy› und ‹bauchfrei›), richtet sich das historisierende Auge der Architektur noch immer auf die Postmoderne und die Ökobauten der 1970er- und 1980erJahre. Geradezu undenkbar ist im architektonischen Kontext der Nostalgie-Hype um das Jahr 2016, der kürzlich in den sozialen Medien aufgekommen ist: Was der Generation Z als das letzte Jahr erscheint, in dem die Welt noch in Ordnung war, ist für Architekturschaffende eher das Jahr, in dem ein Projekt begann, das nun langsam fertig wird. Anders gesagt: Die «longue durée» der Architekturgeschichte ist auch eine Folge der langen Produktionszeiten. Die Jahre von der ersten Skizze bis zum Abschluss eines Bauprojekts erstrecken sich nicht selten über historische Einschnitte. Nimmt man die nie enden wollenden Karrieren vieler Architekturschaffender hinzu, erklärt sich eigentlich von selbst, dass «vor 25 Jahren» im Architekturkontext kein historisches Datum markiert, auf das man mit Erstaunen zurückblickt. Oder vielleicht doch? Architektur als ‹idée suisse› Zufällig ist uns im Hochparterre-Archiv ein orangefarbener Schuber mit dem Titel ‹Arc...

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